(Teil 3.) aus „Macht & Moral der Vernunft“

Aus Kap.6. „Versagen der Philosophie“


„Die meisten Menschen trennen „tägliches Denken“ (oder Nachdenken) vom Akt des Philosophierens. Sie sehen im letztere
n eine Art gelegentliche Freizeitbeschäftigung, ähnlich einem Hobby. Für diese Menschen hat die Philosophie nichts mit ihrem täglichen Leben zu tun. Diese Einstellung zu ändern ist von absoluter Wichtigkeit.“

„Wie schon in der Einleitung darauf hingewiesen, hat der Mensch die Wahl, sich von seinen Emotionen lenken zu lassen, gefühlsmäßig, perzeptiv zu denken und zu handeln, oder seine Urteile und Aktionen auf eine Plattform von vernunftbedingten Prämissen zu gründen. In unserem Kap. 5 („Im Griff der Emotionen“), haben wir gesehen, dass das gemeinschaftliche Gefühlsleben für den Staat und seine Regierung eine zentrale Rolle im Steuern der Massen übernimmt. Je tiefer sich das Volk im Bereich der Emotionen, der Mystik und des Irrationalismus befindet, um so einfacher wird seine Manipulation; nur ein rationaler Verstand lässt sich nicht täuschen.“

„Sie können es täglich feststellen: Bei allen politischen Vorhaben und Programmen, durch welche den Bürgern, oder einzelnen Gruppen Nachteile entstehen, vermeiden Politiker die Ebene der Argumentation (in vielen Fällen fehlt ihnen auch einfach der Sachverstand). Sie umgehen die elementaren Fragen nach dem „wie“ und „warum“ und appellieren an Stelle verständlicher Erklärungen, an Ihren Sinn von Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Verantwortung und kollektive Schuld – alle diejenigen Eigenschaften, nach denen man gerade bei den fordernden Politikern vergeblich sucht. Finden sich keinerlei rationale Argumente in einer staatlichen Handlung, dann wird sie eben zum „obersten Gebot der Humanität“ erhoben, und damit außerhalb der gesetzlichen Grundlagen gestellt. Es ist ein teuflisches Merkmal unserer Demokratie, dass sich ihre schützenden Mechanismen de facto suspendieren lassen, für die willkürlichen Ideale einer „Menschlichkeit“ – welche ironischerweise gerade von denjenigen definiert wird, die sie ursprünglich missachteten. So opfert der gläubige Deutsche wieder einmal das höchste Gut seiner Grundrechte für das vermeintlich höhere Gut einer nicht fassbaren Entität.“

„Diese neue Humanität ist, wie die deutsche Form der Demokratie, eine Erfindung der ehemaligen Siegermächte (USA und Frankreich), die sich die alleinige Interpretationshoheit von Recht und Unrecht, Gut und Böse, Souveränität und Abhängigkeit anmaßen – Humanität als Ersatz für die aggressive Truman-Doktrin vom 12. März 1947. Das größte Unrecht unserer Zeit geschieht im Namen der Menschlichkeit oder der Menschenrechte. Das Allgemeinwohl ist ein Zerstörer der Rechte und Freiheiten des Individuums, also dem wesentlichen Glied der Allgemeinheit. Das Wohl der Menschheit ist ein Zerstörer ganzer Völker und Kulturen“…

(Auslassungen)

…“Jede Staatsform, demokratisch, sozialistisch oder absolutistisch beruht auf einer, oder bedient sich einer philosophischen Idee. Durch Revolutionen werden ursprüngliche Ideen, denen eine Gesellschaft die Gefolgschaft verweigert hat, durch neue, ersetzt. In der Französischen Revolution z.B. wurde der Absolutismus durch die Republik, in der Amerikanischen Revolution der britische Imperialismus mit der Demokratie ersetzt. Die philosophischen Grundlage für den Sturz der französischen Monarchie lieferte Rousseau, das revolutionäre Amerika lehnte sich an die Gedanken der europäischen Aufklärung, von Montesquieu und John Locke.“

 

Wenn eine nationale Verfassung nicht die kulturellen Bedürfnisse und Gepflogenheiten seines Volkes reflektiert, so wird sie wirkungslos. Entweder muss der Staat ständig seine Bürger durch polizeiliche Maßnahmen und Gewalt zur Einhaltung der Gesetze zwingen, oder die Institutionen müssen selbst ihre eigene Verfassung verletzen. So heißt es beispielsweise in der Chinesischen Verfassung: „All citizens of the People’s Republic of China enjoy freedom of speech, of the press, of assembly, of association, of procession and demonstration“ (1982, Kapitel II. Art. 35.) Der Bezug auf diese Freiheiten erscheint absurd, in Hinsicht auf die Praxis (Tian’anmen-Massaker, 1989). Während die meisten Verfassungen im Schnitt rund 150 Artikel benötigen um die Grundrechte ihrer Bürger und die Integrität ihrer Nationen zu sichern, kommt die amerikanische Verfassung mit 7 Artikeln aus (plus 27 Abänderungen, bis 1992).“

„Amerika war das freiheitlichste Land der Erde, zwischen seiner Unabhängigkeit bis zur Regierung von Woodrow Wilson, als die USA sich zum Eintritt in den Ersten Weltkrieg vorbereiteten. Die eindrucksvolle Entwicklung Amerikas wurde sicher gefördert durch eine nahezu ideale Form einer freiheitlichen, effizienten und dezentralisierten Form der Demokratie. Dem scharfen politischen Auge von Alexis de Tocqueville entgingen dabei nicht die inhärenten Gefahren: Tyrannei der Mehrheit und zunehmende Zentralisierung, mit langsamer Abgabe der Eigenverantwortung an die stets erstarkenden Verwaltungen.
Dennoch erkennt man den starken Einfluss der kulturellen Eigenschaften einer Gesellschaft auf ihre Entwicklung und ihre politischen Erfolge: Eine rationale Lebensweise, Selbstverantwortung, Selbstrespekt und Respekt vor dem Mitmenschen, Sittlichkeit und vernunftgelenkte Prinzipien ersetzen zwar nicht die Gesetze, sind aber wesentlich wichtiger für ein harmonisches, gerechtes Zusammenleben.“

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3 Gedanken zu „(Teil 3.) aus „Macht & Moral der Vernunft“

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  2. „…Amerika war das freiheitlichste Land der Erde, zwischen seiner Unabhängigkeit bis zur Regierung von Woodrow Wilson, als die USA sich zum Eintritt in den Ersten Weltkrieg ..“
    Nicht aber für die Neger und schon gar nicht für die Indianer. Chinesen, Japaner und andere könnten sicherlich auch ein Lied davon singen. Die Nachbarländer Mexiko und Kanada ebenfalls.
    Auch ansonsten dürften die USA nicht die freiheitlichen Staaten gewesen sein, die sie vorgeben gewesen zu sein oder für die sie von manchen gehalten werden.
    Den Colt ersetzte das Geld, der Landbesitz etc.
    Die USA sind ein Raubstaat, von Geburt an.
    So wie aus der EU nie etwas Gescheites werden kann, so waren und werden die USA nichts Gescheites. Sie mögen wohl für einzelne und gewisse Gruppen der ideale Staat gewesen sein und immer noch sein, nicht aber für DEN einzelnen oder die große Masse der einzelnen.

    • Schon klar, Herr Bauer, und Danke für Ihren Kommentar. Es war geschreiben im Sinne einer Gegenüberstellung zu den Europäischen Gesellschaften; wo es ebenso Klassen gab, an denen die Revolution vorbeiging (im Sklavenhandel selbst waren hauptsächlich Europäer verwickelt). So betrachten wir die kulturellen Errungenschaften Roms nicht im Lichte seiner kolonialisierten Völker und Sklavenheere.
      Beste Grüße

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