(Teil 4.) aus „Macht & Moral der Vernunft“

Aus Kap. 8 „Globalisierung von Macht und Moral“ – Alte Ideologien in neuer Verpackung (Letzter Teil)
Die Gesellschaften mit parlamentarischen Strukturen und freien Wahlen, die sich aber ihre Klassen-Kultur und feudalistischen Traditionen trotzdem bewahrt haben, werden beurteilt nach ihren Bündnissen und wirtschaftlicher Bedeutung. Dazu gehören z.B. Indien – die angeblich größte Demokratie der Welt – und Japan. Am Beispiel Indiens zeigt es sich deutlich, dass freie Wahlen nichts mit Gleichberechtigung und Volkssouveränität zu tun haben. Das Parlament und Wahlsystem Japans, können nicht über die nie überwundenen tiefsitzenden feudalistischen Strukturen dieser chauvinistischen Nation hinwegtäuschen: In kaum einer anderen „demokratischen“ Nation bestehen groteskere Gegensätze zwischen dem Inhalt ihrer Verfassung und praktischem Alltag. Bei Indien gilt als maßgebend für seine Geltung als „Demokratie“, die Größe des indischen Marktes und strategische Bedeutung des Landes gegenüber China. Im Falle Japans, ist es ebenfalls sein ökonomischer Einfluss, sowie seine Funktion als militärischer Stützpunkt im Pazifik.“

„Es ist also hauptsächlich die Bedeutung einer Region im imperialistischen Weltbild der USA, die darüber entscheidet ob eine Gesellschaft das demokratische Siegel verdient, und nicht die reale Implementierung der freiheitlich-rechtlichen Idee. Hier sehen wir erneut – wie schon an vorgehender Stelle dargestellt – dass Moral und Macht im allgemeinen Verständnis zwar gerne miteinander verbunden werden, aber mitnichten die beiden Seiten der gleichen Münze sind. Es existiert keine Kausalität unter den beiden Begriffen; beide haben dagegen eine untrennbare Verbindung mit der Vernunft.“

„Bisher habe ich versucht die Bedeutung von Moral, Macht und Vernunft in der Gesellschaft darzustellen. Es wurde hier postuliert, dass die Vernunft als entscheidende menschliche Eigenschaft einen überaus wichtigeren Inhalt besitzt, als ihre bloße Verwendung als ein apologetisches Adjektiv, um Sinnlosigkeit als etwas Sinnvolles zu verkaufen. Die Werte-lose politische Korrektheit hat die Vernunft ihres Inhalts entleert und umweltgerecht entsorgt. Zu opportunen Gelegenheiten bedient man sich ihrer Hülle und füllt sie mit willkürlichen Inhalten.“

„Wir haben gezeigt, dass rationale Machtgefüge durchaus möglich sind (z.B. die Römische Republik und Griechische Polis), dass aber, auf der anderen Seite, nicht alles „menschliche“ auch rational ist. Der moderne Humanismus erhebt auf seine Ideologie einen moralischen Anspruch; darum schiebt er, zur weiteren Rechtfertigung seines Irrationalismus, das Prädikat der Vernunft dazwischen. Die ewige Umdeutung von Begriffen, ihr semantischer Missbrauch und das dialektische „auf-den-Kopf-stellen“ rationaler Erkenntnisse – besonders durch die linken Geister der FS (Frankfurter Schule) – hat zur Folge, dass axiomatische Diskussionen mit rationalen Argumenten in weiten Kreisen nicht mehr möglich sind. Erleichtert wird dadurch nur das politische Phrasen-dreschen und fruchtloses ideologisches Debattieren. Aber, in dem Konzept der neuen Politik ist die Diskussion sowieso kein Instrument der Faktensuche oder der Aufklärung mehr. Keiner hat Interesse an dem, was sein Gegenüber zu sagen hat – und in der Tat, füllt nur ein voller Mülleimer einen leeren. Es geht einzig um das Propagieren des eigenen Vorhabens. Vorhaben, die keinerlei politische Qualitäten mehr besitzen – sie sind nur die Mittel zum eigenen Zweck.“

„In allen Bereichen der Politik – auch auf internationaler Ebene – herrscht weiterhin das Konzept des Pragmatismus und die Ideen des Irrationalismus. Nach Georg Lukács ist es Amerika, welches den Irrationalismus des deutschen Faschismus übernommen hat, und umgedeutet unter den Parolen eines demagogischen Humanismus in seinem imperialistischen Streben weiterführt. Bestimmend dafür ist seine kapitalistische Vorherrschaft, die sich komplett von dem Gleichheitsprinzip und des ehemaligen „fair-play“ gelöst hat. Es ist deshalb nicht paradox, dass sich hier sogar Schnittpunkte zwischen libertären und marxistischen Betrachtungsweisen erkennen lassen: Die von einem prinzipienlosen, seichten Liberalismus und der sogenannten progressiven Politik genährten Finanz- und Machtmonopole verhindern die Entwicklung von talentierten und produktiven Individuen ebenso, wie die Verwirklichung sozial(istisch)er Ideale.“

„Der spanische Philosoph und Soziologe José Ortega y Gasset (1883-1955) postulierte den Beginn des 20. Jahrhunderts als das Zeitalter der Massen.*) Trotz aller Bemühungen sich durch eine äußerliche persönliche Identität vom angepassten Durchschnittsbürger zu unterscheiden, gelingt eine wirkliche Befreiung nur über das eigene geistige Bewusstsein, nicht durch Beteiligung an den vielfältigen modernen sozialen Trends. Der schräge Kleidungsstil, Tattoos und Piercings, oder die eigenen Kommunikationsmuster und Begrüßungsrituale der gesellschaftlichen Subkulturen beweisen noch keine politische oder geistige Vielfalt, geschweige denn Unabhängigkeit. Im Gegenteil, der Staat fördert diese „Scheinindividualität“, weil sie die politische Kontrolle erleichtert. So entsteht eine bunte Mischung der Geistlosigkeit und verhindert damit das Herauswachsen von genialen, starken Führungskräften und damit eine potentiell bedrohliche Opposition.“

„Wie man sieht, hat bei dieser politischen Einstellung alles mit Macht zu tun und nichts mit Moral oder Ethik. Die letzteren beiden Begriffe sind in unserem Staat zur Kosmetik reduziert und dienen zur Ablenkung und als Alibi. Wie in allen totalitären Systemen, erhielt auch hier die Moral eine neue Verpackung: bei den Faschisten ist es die nationale Selbsterhaltung und Führungsanspruch einer kulturgebenden Rasse, bei den Kommunisten die Moral der gerechten Verteilung aller Ressourcen und im modernen
Imperialismus ist es die Moral des demokratischen Humanismus. Alle Varianten hatten
und haben nicht die Ermächtigung des Individuums im Mittelpunkt, sondern die Machtbereicherung des Systems – welches von den ultimativen Inhaber der Macht gesteuert wird, les éminences grises.“

Advertisements

15 Gedanken zu „(Teil 4.) aus „Macht & Moral der Vernunft“

  1. zu 1
    ————————————————————
    „Die Gesellschaften mit parlamentarischen Strukturen und freien Wahlen, die sich aber ihre Klassen-Kultur und feudalistischen Traditionen trotzdem bewahrt haben, werden beurteilt nach ihren Bündnissen und wirtschaftlicher Bedeutung. Dazu gehören z.B. Indien – die angeblich größte Demokratie der Welt – und Japan. Am Beispiel Indiens zeigt es sich deutlich, dass freie Wahlen nichts mit Gleichberechtigung und Volkssouveränität zu tun haben. Das Parlament und Wahlsystem Japans, können nicht über die nie überwundenen tiefsitzenden feudalistischen Strukturen dieser chauvinistischen Nation hinwegtäuschen: In kaum einer anderen „demokratischen“ Nation bestehen groteskere Gegensätze zwischen dem Inhalt ihrer Verfassung und praktischem Alltag. Bei Indien gilt als maßgebend für seine Geltung als „Demokratie“, die Größe des indischen Marktes und strategische Bedeutung des Landes gegenüber China. Im Falle Japans, ist es ebenfalls sein ökonomischer Einfluss, sowie seine Funktion als militärischer Stützpunkt im Pazifik.“

    ———————————————————-
    ich zerstückele mal den artikel, sonst ist er zu schwer zu bewältigen.

    indien mit seinem ausgeprägten kastensystem als demokratie zu bezeichnen, ist schon chuzpe.

    ich habe in den vergangenen beiden jahren keinen hehl daraus gemacht, daß die sog. „demokratie“ ein werkzeug ist, um ältere, gefestigte herrschaftsstrukturen zu gunsten der gerissenen zu zerbrechen.(wir sind uns da wohl einig).

    insofern ist es folgerichtig, daß die laufenden demokratien nach ihrem nutzen (stets im sinne der gerissenen) beurteilt und bejubelt werden.

    die der modischen demokratie folgenden schwierigkeiten, zb in japan, beschreiben Sie ganz richtig. nämlich den konflikt zwischen kultur und dem aufgestülpten, kulturfremden.

  2. zu 2
    —————————————————————-
    „Es ist also hauptsächlich die Bedeutung einer Region im imperialistischen Weltbild der USA, die darüber entscheidet ob eine Gesellschaft das demokratische Siegel verdient, und nicht die reale Implementierung der freiheitlich-rechtlichen Idee. Hier sehen wir erneut – wie schon an vorgehender Stelle dargestellt – dass Moral und Macht im allgemeinen Verständnis zwar gerne miteinander verbunden werden, aber mitnichten die beiden Seiten der gleichen Münze sind. Es existiert keine Kausalität unter den beiden Begriffen; beide haben dagegen eine untrennbare Verbindung mit der Vernunft.“

    „Bisher habe ich versucht die Bedeutung von Moral, Macht und Vernunft in der Gesellschaft darzustellen. Es wurde hier postuliert, dass die Vernunft als entscheidende menschliche Eigenschaft einen überaus wichtigeren Inhalt besitzt, als ihre bloße Verwendung als ein apologetisches Adjektiv, um Sinnlosigkeit als etwas Sinnvolles zu verkaufen. Die Werte-lose politische Korrektheit hat die Vernunft ihres Inhalts entleert und umweltgerecht entsorgt. Zu opportunen Gelegenheiten bedient man sich ihrer Hülle und füllt sie mit willkürlichen Inhalten.“
    ——————————————————————————-

    moral und macht sind nicht unbedingt themen, die mich noch interessieren. bei der vernunft ist das anders.

    was ist vernunft?

    handelt ein hedonistisch orientiertes, kinderloses ehepaar vernünftig? im sinne eines individualistischen egoismus sicher,

    oder eher die kinderreiche, auf volkserhalt achtende, sich einschränkende famlie ?

    man erkennt schnell, daß auch vernunft im grunde keine brauchbare kategorie ist.

    • Vernunft ist die wichtigste menschliche Eigenschaft (im Gegensatz zu instinkt-gesteuerten Wesen). Allerdings muss man sie von der Rationalisierung und dem Pragmatismus trennen, denn er bedeutet den VERLUST der Vernunft. Die Vernunft ist durchaus eine „brauchbare Kategorie“, aber wie Dietzgen schrieb: „..lebt sie im Norden nördlich und im Süden südlich“ und ändert sich über die Zeiten. Im ursprünglichen Sinne ermöglicht(e) die Vernunft dem Menschen das Überleben; sie dankt in einer Gesellschaft generell ab, in dem Maße, in dem der Staat die Entscheidungen übernimmt.

  3. die beiden von mir genannten beispiele würde ich weder mit pragmatismus noch rationalisierung in verbindung bringen. es sind beides denkbare vernünftige weisen, die jeweils von einem subjektiven standpunkt abhängen.

    was ich meinte, ist, daß sich vernunft eigentlich objektiv nicht bestimmen und definieren läßt, jede definition wäre gewillkürt. vermutlich sind Sie da keiner anderen meinung.

    mich erhellend ist der teil betreffend überleben und staat, wo ich wieder bei meinen obigen beispielen lande: hätte sich der staat nicht mit der rentenversicherung in die bis dahin geltende überlebensstrategie der menschen bestimmend reingehängt, würde die hedonistische und kinderlose lebensweise aus dem kanon vernünftigen handelns ausscheiden, da sie das überleben (im alter) eben NICHT sichert.

    insofern könnte man fast auf den gedanken kommen, und ich komme auf diesen, daß der staat durch seine eingriffe sogar den kanon vernünftigen handelns sogar ERWEITERT. das allerdings ist keineswegs zu begrüßen, da dies (im prinzip) nur auf eine gegenwärtige generation bezogen ist.

    längerfristig führt es zwangsläufig zur ausdünnung des volkes.

    was wiederum interessante fragen nach den nutznießern und initiatoren des rentensystems nach sich zieht.

    • Vitzli,
      zunächst vielen Dank, dass Sie sich mit den Buch-Auszügen so interessant auseinandersetzen.
      1.) Unser Dialog über „DIE Vernunft“ braucht einen geeigneten Ausgangspunkt, dazu sind Ihre Beispiele zu trivial. Kant gelang es nicht die Vernunft schlüssig zu erklären: Er überlässt es der „körperlichen“ Vernunft eines Diabetikers, sich gegen das Verschlingen einer Sahnetorte zu entscheiden. Aber, seine zielgerechten Handlungen und Wertsetzungen werden irrational bestimmt – durch den Glauben, nicht der Vernunft. Glaube ist die einzige Alternative zur Vernunft.

      2.)“..daß der staat durch seine eingriffe sogar den kanon vernünftigen handelns sogar ERWEITERT.“ wäre ein herausgegriffenes Glied einer falschen Kausalität, etwa als würde man gegen ein Alarmsystem in einer Bank argumentieren mit dem Grund, dass es zur Geiselnahme führen könnte. Es gibt keine „gesellschaftliche Vernunft“, nur die des Einzelnen gegenüber seinen Umständen. Deshalb – und wegen dem obigen Absatz – lässt sich die Vernunft nicht von der Ethik (oder Moral) trennen.
      Dieses Essay gibt weitere Erklärungen: https://huaxinghui.wordpress.com/2015/09/19/das-wesen-der-menschlichen-kopfarbeit/ Es gibt kaum ein besseres Werk(chen) als das Büchlein von Joeph Dietzgen (150 Seiten) antiquarisch für ein paar Euros. Und natürlich Ayn Rand, die als erste und einzige Philosophin die Vernunft richtig erkannt und beschrieben hat. Es gibt sie jetzt in Deutscher Übersetzung: „Philosophie, wer braucht das schon“. Darin werden die meisten ihrer Konzepte spannend dargelegt. Außerordentlich empfehlenswert!

  4. „Als erste und einzige Philosophin die Vernunft richtig erkannt und beschrieben hat“
    Hut ab. Soetwas zu schreiben hätte ich mir nicht zugetraut.
    Vieleicht habe ich ja auch nur zuviel gelesen.

  5. alpha

    zu 1

    glaube als gegenstück zur vernunft zu setzen ist gewagt. wer sagt, daß es nicht vernünftig ist, zu glauben, um zu überleben? jahrtausendelang hat das gut funktioniert.

    daß kant es auch nicht besser als ich erklären kann, beruhigt mich irgendwie 🙂

    ausführungen über „vernunft“ brauchen einen ausgangspunkt, da gebe ich Ihnen gerne recht. ich bezweifle allerdings, ob es diesen gibt (s.o.). ich bin kein fachmann, aber bezweifle jetzt einfach mal, ob es vernunft als objektiv bestimmbares kriterium gibt. und ist es nicht objektiv bestimmbar, taugt es als anker nicht.

    guckt man bei wikiblöd nach, findet man dubioses:

    ———————————————-

    Der Begriff Vernunft bezeichnet in seiner modernen Verwendung die Fähigkeit des menschlichen Denkens, aus den im Verstand durch Beobachtung und Erfahrung erfassten Sachverhalten universelle Zusammenhänge der Wirklichkeit durch Schlussfolgerung herzustellen, deren Bedeutung zu erkennen, Regeln und Prinzipien aufzustellen und danach zu handeln. Soweit sich die Vernunft auf Prinzipien des Erkennens und der Wissenschaften richtet, spricht man von theoretischer Vernunft. Ist die Vernunft auf das Handeln oder die Lebenshaltung ausgerichtet, folgt sie den Prinzipien praktischer Vernunft, die sich in moralischen Fragen an Werten oder zur Erreichung von Effizienz am ökonomischen Prinzip orientieren kann.
    Der genauere Inhalt des Begriffs der Vernunft wird in der Literatur unterschiedlich bestimmt. Er hat in der Kombination mit dem Begriff des Verstandes im Verlaufe der Geschichte von der griechischen Philosophie (Nous und Logos gegenüber dianoia) über das Mittelalter (intellectus versus ratio) bis in die Neuzeit einen Wandel erfahren. Die in der Neuzeit, angestoßen von Meister Eckart und Luther, sich entwickelnde Verwendung wurde von Immanuel Kant in der Kritik der reinen Vernunft so formuliert, wie sie in der Moderne weitgehend üblich geworden ist. Danach ist die Vernunft das oberste Erkenntnisvermögen, das den Verstand, mit dem die Wahrnehmung strukturiert wird, kontrolliert und diesem Grenzen setzt bzw. dessen Beschränkungen erkennt. Sie ist damit das wichtigste Mittel der geistigen Reflexion und das wichtigste Werkzeug der Philosophie.
    Neben dieser menschlichen, subjektiven Vernunft (theoretische oder epistemologische Vernunft) nahmen einige Philosophen die Existenz einer objektiven Vernunft an; ein die Welt durchwaltendes und ordnendes Prinzip (metaphysische oder kosmologische Vernunft – Weltvernunft, Weltgeist, Logos, Gott). Zu diesen Philosophen gehören z. B. Heraklit, Plotin und Hegel. Die Debatten um die Existenz oder Nichtexistenz einer solchen Weltvernunft und ihre eventuelle Beschaffenheit sind ein bedeutender Teil der Philosophiegeschichte.
    Der Begriff „Verstand“ wird heute in Abgrenzung zur Vernunft dann verwendet, wenn ein Phänomen gesondert, abgetrennt von einem größeren Zusammenhang, betrachtet wird. In der Umgangssprache werden die beiden Begriffe allerdings nicht streng voneinander unterschieden.

    —————————————————

    komprimiert heißt das: genaues weiß man nicht.

    zu 2

    natürlich gibt es keine gesellschaftliche vernunft (na, vielleicht doch. wäre zu überdenken). aber der staat kann durch seine regelungen den kanon vernünftigen verhaltens der einzelperson erweitern, wie eben im rentenbeispiel.

    das kann man meiner meiner nach nicht anders sehen. die begrenzung der „vernunft“ auf die hedonistische generation habe ich betont. sobald man aber eine zweite generation einbezieht, wird der staatliche eingriff eben – aus sicht des volkserhaltes – unvernünftig (nicht aus der sicht der NWO-Freaks). insofern glaube ich, daß Sie mich mißverstanden haben.

    ein anderes:
    niemand würde ohne staatliche subventionen windräder hinstellen. durch die subventionen wird das zumindest „vernünftiger“. von einer vielleicht nicht existierenden „gesellschaftlichen vernunft“ wäre das aber weit entfernt.

    der begriff der vernunft ist vielleicht interessanter, als zunächst angenommen. ich würde ihn gerne zerstören. 🙂

    den verlinkten essay muß ich erst noch lesen …

    • „…der begriff der vernunft ist vielleicht interessanter, als zunächst angenommen. ich würde ihn gerne zerstören.“

      Vitzli, diese Mühe haben Ihnen doch schon unsere und andere Regierungen und Staaten weitgehendst abgenommen. 😦

      Bedenken Sie bei Ihrer weiteren Forschung: ALLE Begriffe sind nur menschliche Beschreibungen eines Konzepts, keine Absolute. Wenn Sie ein Bauernkind im Sudan ein „Haus“ malen lassen, dann sieht das Resultat anders aus als das Bild eines deutschen Kindes. Das Bild eines Tigers oder eines Baumes wird jedoch viel ähnlicher ausfallen.
      Dagegen ist „Vernunft“ (wie z.B. „Liebe“ oder „Verantwortung“) eine reine Vorstellung. Das bedeuted aber nicht, dass sie nicht wissenschaftlich untersucht oder beschrieben werden kann, ebenso wie die Moral.

      Nun lässt sich das Konzept eines Autos schwerer leugnen, als das der Vernunft. Um zu besserem Verständnis über die Vernunft zu gelangen, möchten wir sie hier nochmals mit der Moral verbinden. Ein weiteres Lesestück sei exklusiv für Sie aus dem neuen Buch zitiert:

      „Als Teil von Rationalität und Vernunft bringt Rand die Ethik und Moral aus der subjektiven Ebene der Gefühle in den Bereich der Wissenschaft. Sie stellt die Frage, ob für den Einzelnen, alleine gestrandet auf einer Insel, bewusstes moralisches Verhalten eine Rolle spielt. Entgegen der spontanen Reaktion, dass Ethik für ein isoliertes Individuum kein Faktor ist – weil es ja keine Mitmenschen gibt, denen die Moralität zugute käme – wäre in der Tat ethisches Handeln von lebenswichtiger Notwendigkeit. Zum weiteren Verständnis dieses Problems ist es erforderlich, das hier dargebotene Postulat über den Inhalt von Ethik und Moral zu akzeptieren. Demnach entsteht Moral aus den Forderungen der Vernunft. Josef Dietzgen schreibt, dass „das menschliche Bedürfnis der Vernunft das Maß gibt, zur Ermessung des Guten, Rechten, Schlechten, usw.“ Hier gibt es eine Übereinstimmung mit Rand, dass vernünftiges Handeln moralisch ist. Wir kommen nun zurück auf das Problem mit der gestrandeten Person auf der einsamen Insel, wobei Rand mit rhetorischen Gegenfragen die moralische Situation erhellt: „An wen könnte dieser einzelne Mensch seine Forderungen stellen? Kann er auf einen Fels deuten und sagen, „dies ist mein Haus“? Kann er auf die Vegetation weisen und sagen, „dies ist meine Kleidung“? Kann er verharren, bis ohne sein Zutun irgendwelche Umstände Nahrung in den geöffneten Mund fallen lassen? Nein, sein Überleben fordert das höchst-mögliche Maß seines Verstands und seiner Rationalität. Die Vernunft muss ihn überzeugen, mit seinen Kräften zu haushalten und seine Gesundheit zu bewahren. Seine verstandesmäßige Disziplin muss ihm verbieten, aus willkürlichen Quellen zu trinken und z.B. Samen oder Saatgut eher im Hungerrausch zu verschlingen, als es im Boden zu nachhaltigem Verzehr heranreifen zu lassen.“

      „Nach Aristoteles werden Menschen erst durch Zielsetzung zu ethischem Handeln fähig. Demjenigen, der nicht begreifen will, dass die Anforderungen an den einsamen Insulaner sittliches Verhalten darstellt – und lehrt, möchte ich nahebringen, dass dieser Gestrandete nach Rückkehr in seine normale zivilisierten Umwelt, dem Leben, der Arbeit und dem Besitz seines Nachbarn mehr Achtung und Respekt entgegenbringt als diejenigen Menschen, denen ihre täglichen Abläufe und Handlungen vorgeschrieben sind. Ein Tier, das nur seinen Instinkten zu folgen vermag, das nicht plant und dem keine Ratio einen Maßstab, oder eine Alternative erlaubt, wird außerhalb seines natürlichen Habitats bald verenden; besonders in einer Umgebung, in welcher seine ursprünglichen Instinkte unbrauchbar sind. Nur der Mensch vermag sich nahezu augenblicklich veränderten Situationen anzupassen, ohne auf eine evolutionäre Entwicklung der eigenen Art zu warten die über sein Aussterben oder Fortbestehen entscheidet. Der einzige Standard für die Beurteilung von gut und schlecht ist das menschliche Leben, oder das, was erforderlich ist für das Überleben als Mensch. Dieser ist ein rationales Wesen. Aber die Anwendung der Rationalität unterliegt der persönlichen Entscheidung. Nur ein bewusst und freiwillig akzeptierter Werte-Kodex ist ein moralischer Kodex, Moralität wie Vernunft betrifft nur den Bereich des freien Willens.“

  6. die ausgangsfrage: insel, alleine, moral bzw. ethisches handeln, finde ich interessant.

    die auflösung (rand) gefällt mir gar nicht. ich werde mir das noch genauer überlegen.

    trotzdem schon mal vorab meinen dank für die exclusiven überlegungen 🙂

    • Bitte teilen Sie Ihre Schlüsse mit uns. (Einer in unserer Gruppe, ein Lothringer, teilt eher Ihre Anschauungen. Er ist Linguist und Meister der praktischen Vernunft…)

  7. ich habe den text sacken lassen

    ich fürchte ernsthaft, da gehen die kategorien durcheinander.

    die anforderungen an den einsamen insulaner haben mit praktischer überlebensvernunft zu tun, mit ethik hingegen rein gar nichts. denn, das wurde oben von Ihnen schon angedeutet, es fehlt an dem menschlichen „gegenüber“, für das allein ethik und moral eine rolle spielen kann. biologie oder viecher und weizen können es nicht sein, wie ich nachfolgend noch ausführe (vorwegnehmend: ethik und moral kommen gegenüber tier und pflanze erst nachrangig nach praktischer überlebensvernunft).

    ganz im gegenteil macht es die überlebensvernunft vielleicht notwendig, das allerletzte weibliche oder männliche weltschaf zu schlachten, um bis zur ankunft des rettenden schiffs zu überleben.

    ist es „vernünftig“, das eigene leben zu opfern, um einer verrückten abstrakten menschheit mit all ihren atombomben die existemz des schafes als art zu erhalten?

    rand:

    “ wäre in der Tat ethisches Handeln von lebenswichtiger Notwendigkeit.“

    eben nicht! nur aus der sicht des schafes, das dem anderen die ethik und dessen tod selbstsüchtig abfordert.

    dietzgen:

    „Zum weiteren Verständnis dieses Problems ist es erforderlich, das hier dargebotene Postulat über den Inhalt von Ethik und Moral zu akzeptieren. Demnach entsteht Moral aus den Forderungen der Vernunft. Josef Dietzgen schreibt, dass „das menschliche Bedürfnis der Vernunft das Maß gibt, zur Ermessung des Guten, Rechten, Schlechten, usw.““

    das ist – in bezug auf den insulaner – ein wenig abstrus abstrakt. ich bezweifele sehr ernsthaft, daß aus der überlebensnotwendigen praktischen „vernunft“ unseres insulaners forderungen entstehen, die zu höheren oder irgendwelchen moralforderungen überhaupt führen.

    rand erscheint in dem zusammenhang völlig von der gedachten realität abgehoben, dietzgen kann auf keinen fall für des insulaners extremsituation gelten.

    daß die wertschätzung des „befreiten“ insulaners gegenüber der zivilisation und ihren annehmlichkeiten steigt, ist natürlich und nicht verwunderlich. mit ethik und moral hat das nichts zu tun.

    Ihre schlußfolgerung:

    „Ein Tier, das nur seinen Instinkten zu folgen vermag, das nicht plant und dem keine Ratio einen Maßstab, oder eine Alternative erlaubt, wird außerhalb seines natürlichen Habitats bald verenden; besonders in einer Umgebung, in welcher seine ursprünglichen Instinkte unbrauchbar sind. Nur der Mensch vermag sich nahezu augenblicklich veränderten Situationen anzupassen, ohne auf eine evolutionäre Entwicklung der eigenen Art zu warten die über sein Aussterben oder Fortbestehen entscheidet.“

    ich denke, Sie vermischen hier die kategorien.

    der mensch ist – anders als das tier – qua vernunft, nicht ethik/moral, in der lage, sich schnell anzupassen. das hat mit den kategorien ethik und moral nichts zu tun. selbst schlepper oder andere kriminelle können sich schnell an veränderte verhältnisse (zb neue routen) anpassen.

    spannende fragen, aber rand gegenüber wird meine skepsis nicht kleiner 🙂

    (Ihren verlinkten artikel muss ich immer noch lesen)

    • Vitzli,
      Sie sind ja ein ganz schwieriger Kunde! LOL, Nein, vielen Dank für den Dialog.
      „Macht & Moral der Vernunft“ ist das Resultat 15jähriger Arbeit und wir haben nur Auszüge veröffentlicht. Es gibt Leser, die nicht allen Argumenten folgen oder zustimmen können, weil sie sich nicht mit den zitierten Werke beschäftigt haben, das ist das Risiko eines Sachbuchautors. Natürlich führen auch die vorhergehenden Kapitel zu einem besseres Verständnis. Ich müsste Ihnen jetzt als Antwort praktisch die ersten 150 Seiten schicken 😀

      Für diese Diskussionen über Vernunft, bitte ich Sie, den Begriffen Moral, gut & böse einen größeren philosophischen Raum zu gewähren. Erst wenn man verstanden hat wie und warum Ethik und Vernunft zusammenhängen wird einem das Gleichnis der Insel klar. Der gesamte Inhalt von Rands Epistemologie und Onthologie ist damit verknüpft.

      Ethik: Auch der Einzelne muss fundamental ethisch handeln, will er nicht zum Tier degenerieren.
      Das Insel-Besipiel ist auch nur relevant für die Erklärung der Ethik – und kein Beitrag für eine Überlebensfibel für Dchungelkämpfer. Es geht um Selbstachtung und Erkenntnis.

      „…kriminelle können sich schnell an veränderte verhältnisse (zb neue routen) anpassen.“
      Schon, aber sie bewegen sich dann außerhalb der Vernunf!!! Danke für die Vorgabe, vielleicht wird jetzt der Zusammenhang zur Moral erkennbarer.

      Wenn Ihnen Rand und Dietzgen zu abgefahren erscheinen brennen Ihnen bei Hegel die Synapsen durch,LOL

      [Der Autor liest gerade ein Werk über den Ursprung menschlichen Verhaltens und über die Entdeckung von Verhaltensgenen. Deutsche haben ein merkwürdiges Verhältnis zur Vernunft. Es ist die „Schuld“ von Kant und Hegel, dass die Vernunft in den ephemerischen Bereich gedrängt wurde (und nein, es ist NICHT „vernünftig zu glauben“, ein beliebter Pfaffenspruch, ein contradictio in adiecto). Dagegen bietet die angelsächsische Philosophie einen viel solideren Umgang mit der Vernunft (z.B. Locke). Vielleicht ist dieses zweifelhafte Verhältnis zu Vernunft, Gewissheit und Wahrheit schon in unseren Genen festgelegt???
      HG

  8. alpha,

    ich schrieb es schon, ich bin nicht vom fach. ich beurteile texte so, wie sie mir vorliegen. welche grundlage den begriffen ethik und moral vom jeweiligen verfasser außerhalb des textes zugeordnet werden, kann ich daher naturgemäß ohne zusatzstudien nicht erkennen. und – leider – kenne ich die ersten 150 Seiten nicht :-/

    ich hoffe aber, ich konnte trotzdem etwas sinnvolles beitragen. 🙂

    • Vitzli,
      Sie haben das Wertvollste für einen Autor beigetragen: Konstruktive Kritik, mit intelligenten Argumenten, die mich, den Autor, auffordernden nochmals meine Gedanken zu ordnen und neue Felder zu erschließen – die Philosophie ist ja nie abgeschlossen (wie Hegel es sich wünschte). Bitte beschäftigen Sie sich weiter damit und ich hoffe wir haben bald wieder einen Dialog über dieses Thema(en). Nochmals vielen Dank! HG

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s