(Teil 4.) aus „Macht & Moral der Vernunft“

Aus Kap. 8 „Globalisierung von Macht und Moral“ – Alte Ideologien in neuer Verpackung (Letzter Teil)
Die Gesellschaften mit parlamentarischen Strukturen und freien Wahlen, die sich aber ihre Klassen-Kultur und feudalistischen Traditionen trotzdem bewahrt haben, werden beurteilt nach ihren Bündnissen und wirtschaftlicher Bedeutung. Dazu gehören z.B. Indien – die angeblich größte Demokratie der Welt – und Japan. Am Beispiel Indiens zeigt es sich deutlich, dass freie Wahlen nichts mit Gleichberechtigung und Volkssouveränität zu tun haben. Das Parlament und Wahlsystem Japans, können nicht über die nie überwundenen tiefsitzenden feudalistischen Strukturen dieser chauvinistischen Nation hinwegtäuschen: In kaum einer anderen „demokratischen“ Nation bestehen groteskere Gegensätze zwischen dem Inhalt ihrer Verfassung und praktischem Alltag. Bei Indien gilt als maßgebend für seine Geltung als „Demokratie“, die Größe des indischen Marktes und strategische Bedeutung des Landes gegenüber China. Im Falle Japans, ist es ebenfalls sein ökonomischer Einfluss, sowie seine Funktion als militärischer Stützpunkt im Pazifik.“

„Es ist also hauptsächlich die Bedeutung einer Region im imperialistischen Weltbild der USA, die darüber entscheidet ob eine Gesellschaft das demokratische Siegel verdient, und nicht die reale Implementierung der freiheitlich-rechtlichen Idee. Hier sehen wir erneut – wie schon an vorgehender Stelle dargestellt – dass Moral und Macht im allgemeinen Verständnis zwar gerne miteinander verbunden werden, aber mitnichten die beiden Seiten der gleichen Münze sind. Es existiert keine Kausalität unter den beiden Begriffen; beide haben dagegen eine untrennbare Verbindung mit der Vernunft.“

„Bisher habe ich versucht die Bedeutung von Moral, Macht und Vernunft in der Gesellschaft darzustellen. Es wurde hier postuliert, dass die Vernunft als entscheidende menschliche Eigenschaft einen überaus wichtigeren Inhalt besitzt, als ihre bloße Verwendung als ein apologetisches Adjektiv, um Sinnlosigkeit als etwas Sinnvolles zu verkaufen. Die Werte-lose politische Korrektheit hat die Vernunft ihres Inhalts entleert und umweltgerecht entsorgt. Zu opportunen Gelegenheiten bedient man sich ihrer Hülle und füllt sie mit willkürlichen Inhalten.“

„Wir haben gezeigt, dass rationale Machtgefüge durchaus möglich sind (z.B. die Römische Republik und Griechische Polis), dass aber, auf der anderen Seite, nicht alles „menschliche“ auch rational ist. Der moderne Humanismus erhebt auf seine Ideologie einen moralischen Anspruch; darum schiebt er, zur weiteren Rechtfertigung seines Irrationalismus, das Prädikat der Vernunft dazwischen. Die ewige Umdeutung von Begriffen, ihr semantischer Missbrauch und das dialektische „auf-den-Kopf-stellen“ rationaler Erkenntnisse – besonders durch die linken Geister der FS (Frankfurter Schule) – hat zur Folge, dass axiomatische Diskussionen mit rationalen Argumenten in weiten Kreisen nicht mehr möglich sind. Erleichtert wird dadurch nur das politische Phrasen-dreschen und fruchtloses ideologisches Debattieren. Aber, in dem Konzept der neuen Politik ist die Diskussion sowieso kein Instrument der Faktensuche oder der Aufklärung mehr. Keiner hat Interesse an dem, was sein Gegenüber zu sagen hat – und in der Tat, füllt nur ein voller Mülleimer einen leeren. Es geht einzig um das Propagieren des eigenen Vorhabens. Vorhaben, die keinerlei politische Qualitäten mehr besitzen – sie sind nur die Mittel zum eigenen Zweck.“

„In allen Bereichen der Politik – auch auf internationaler Ebene – herrscht weiterhin das Konzept des Pragmatismus und die Ideen des Irrationalismus. Nach Georg Lukács ist es Amerika, welches den Irrationalismus des deutschen Faschismus übernommen hat, und umgedeutet unter den Parolen eines demagogischen Humanismus in seinem imperialistischen Streben weiterführt. Bestimmend dafür ist seine kapitalistische Vorherrschaft, die sich komplett von dem Gleichheitsprinzip und des ehemaligen „fair-play“ gelöst hat. Es ist deshalb nicht paradox, dass sich hier sogar Schnittpunkte zwischen libertären und marxistischen Betrachtungsweisen erkennen lassen: Die von einem prinzipienlosen, seichten Liberalismus und der sogenannten progressiven Politik genährten Finanz- und Machtmonopole verhindern die Entwicklung von talentierten und produktiven Individuen ebenso, wie die Verwirklichung sozial(istisch)er Ideale.“

„Der spanische Philosoph und Soziologe José Ortega y Gasset (1883-1955) postulierte den Beginn des 20. Jahrhunderts als das Zeitalter der Massen.*) Trotz aller Bemühungen sich durch eine äußerliche persönliche Identität vom angepassten Durchschnittsbürger zu unterscheiden, gelingt eine wirkliche Befreiung nur über das eigene geistige Bewusstsein, nicht durch Beteiligung an den vielfältigen modernen sozialen Trends. Der schräge Kleidungsstil, Tattoos und Piercings, oder die eigenen Kommunikationsmuster und Begrüßungsrituale der gesellschaftlichen Subkulturen beweisen noch keine politische oder geistige Vielfalt, geschweige denn Unabhängigkeit. Im Gegenteil, der Staat fördert diese „Scheinindividualität“, weil sie die politische Kontrolle erleichtert. So entsteht eine bunte Mischung der Geistlosigkeit und verhindert damit das Herauswachsen von genialen, starken Führungskräften und damit eine potentiell bedrohliche Opposition.“

„Wie man sieht, hat bei dieser politischen Einstellung alles mit Macht zu tun und nichts mit Moral oder Ethik. Die letzteren beiden Begriffe sind in unserem Staat zur Kosmetik reduziert und dienen zur Ablenkung und als Alibi. Wie in allen totalitären Systemen, erhielt auch hier die Moral eine neue Verpackung: bei den Faschisten ist es die nationale Selbsterhaltung und Führungsanspruch einer kulturgebenden Rasse, bei den Kommunisten die Moral der gerechten Verteilung aller Ressourcen und im modernen
Imperialismus ist es die Moral des demokratischen Humanismus. Alle Varianten hatten
und haben nicht die Ermächtigung des Individuums im Mittelpunkt, sondern die Machtbereicherung des Systems – welches von den ultimativen Inhaber der Macht gesteuert wird, les éminences grises.“

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