GLAUBE & RATIO (EIN VERSUCH)

es ist schon wundersam, was uns das Bewusstsein ermöglicht.

Da hat der Mensch die Wahl, täglich praktische Entscheidungen für sein Überleben oder Wohlbefinden zu treffen; und gleichzeitig ist es ihm frei zu entscheiden – oder zu planen – durch komplett unterschiedliche geistige Konzepte. Dabei haben doch der durchschnittliche Gläubige und der Vernunftmensch ähnliche Bedürfnisse und Lebensziele: Wir teilen alle die gleichen Ambitionen von Gesundheit, Glück und Erfolg.

Der religiöse Mensch z.B. betet, folgt den Schriften und verlässt sich auf einen Schöpfer; der rationale Mensch baut auf Vernunft und Fakten und vertraut seinen Fähigkeiten. Irgendwo dazwischen liegen noch Mystiker und Esoteriker mit ihren Praktiken. Alle diejenigen, die mit unterschiedlichen geistigen Systemen versuchen die Welt und ihre bis dato unerklärten Wunder erklärbarer zu machen und Probleme des Lebens besser zu meistern, vergessen, dass das Universum nur materielle Dimensionen besitzt. Wie unser Leben beweist, kann Geist aus Materie entstehen, aber Materie niemals aus Geist. Weder der Wissenschaft noch der Religion wird es gelingen die Entstehung des Kosmos zu begreifen. In einer Festrede zum Todestag von Trendelenburg hieß es, „wie kann das endliche Wesen das Unendliche fassen?“

Die erste gesicherte Tatsache im menschlichen Leben ist die Geburt, die zweite ist der Tod. Dazwischen liegt es uns frei, alles Erfahrene und Übersinnliche mit Göttern, einem Schöpfer oder spiritueller Energie zu erklären, oder durch konzeptuelles Denken, mit reiner Vernunft und nach dem Gesetz der Identität. Die Zeit davor, oder danach ist nicht mehr die unsere! Nun gibt es die Theologen und modernen Mystiker, die vehement behaupten, dass auch sie – oder sogar gerade sie – am stärksten der Vernunft verbunden sind: „Gott hat uns diese Vernunft gegeben“ und somit „ist es vernünftig zu glauben“, wie der Theologe proklamiert. Er debattiert mit Sophismus und Spitzfindigkeiten welche ahnen lassen, wie viel Zeit in seinem 10-Jährigen Studium den Gottesbeweisen zugemessen wurde. Dazu werden die maßgeblichen kirchlichen Geistesgrößen zitiert, z.B. Augustinus, Thomas von Aquin und Albertus Magnus, aber auch verschwiegen, dass die Wissenschaften nur der gelehrten Geistlichkeit zugänglich waren, und dass der Dogmatismus der Dreifaltigkeit und die absolute kirchliche Autorität über Wahrheit und Forschung viel schnellere und größere Fortschritte verhinderten.

Paradies und Hölle, Wiedergeburt und Seele bieten nur im Geiste Alternativen, sie sind verwand mit Hoffnung und Trost – und erweisen sich beim Tod als Betrug: ebenso wie die 70 Jungfrauen des Islams. Für das praktische Leben zählen Leistung, Talent und der Zufall. Ob man nun den Zufall als Schicksal oder Vorsehung bezeichnet oder als Resultat einer Serie von vernünftigen Handlungen scheint letztlich unerheblich. Als der Verlierer einer Golfpartie dem Gewinner vorhielt, dass das „hole-in-one“ seines Gegners reines Glück war, erwiderte der Sieger: „Aber mit jedem Training und arbeiten an meiner Form habe ich dieses Glück immer öfters!“ Wer sich intensiv mit Selbstverbesserung und Ausbau seiner Talente beschäftigt weiß, dass es unmöglich ist, sich auf ein effizientes, rationales Regime zu konzentrieren und gleichzeitig versuchen, mit religiösen Ritualen die Ergebnisse zu verbessern. Wenn der Guru, der Geistliche und der Seelenmasseur es zu größerem Wohlstand bringen als mancher rationale Praktiker, dann nur deshalb, weil es so vielen Menschen unmöglich erscheint, ihre Vernunft konsequent und in allen Bereichen ihres Lebens anzuwenden, gegen eine emotionell und irrational getriebene Umwelt.

Was will uns dieses Essay sagen? Vernunft und Glaube dienen beide als Methode des Überlebens. Der Mensch hat als vernünftiges Wesen überlebt, und als religiöses Wesen. Aber, Religion und Glaube haben keinen Fortschritt erbracht, keinen Frieden geschlossen und den Menschen auf keine höhere kulturelle Stufe erhoben. Religion und Glaube haben weder den Materialismus besiegt, noch die Klassen: Religion und Glaube haben höchstens geholfen die Leiden zu lindern, von denen sie selbst die Ursache waren. Der Geist, den Religion und Glaube beschwören ist auch ihr größtes Hindernis. Selbst wenn der Gläubige seinen Schöpfer finden würde, wenn der Geist des Mystikers den Sinn des Leben erkennen könnte, wäre er von seinem Menschsein doch nicht befreit.

Der Einzelne kann über seinen Geist verfugen wie er mag, er kann Mephisto rufen, seine Götter beschwören und das Attribut der Vernunft ablehnen, in seiner kurzen Spanne von Leben und Tod. Für die Gesellschaft, als politische Einheit, scheint der Umgang mit der Vernunft eine Frage des Überlebens ihrer Nation.

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2 Gedanken zu „GLAUBE & RATIO (EIN VERSUCH)

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