DIE HÖLLE DER VOLLKOMMENHEIT

Yukio Mishima – Der Tempelbrand

Yukio Mishima, geboren 14. Jan 1925 in Tokio als Kimitake Hiraokaii, starb 25. Nov. 1970 durch Seppuku. Mishima war Autor, Poet, Dramatiker, Schauspieler und Direktor und mit 33 Jahren hatte er schon 12 international bekannte Novellen geschrieben. Er gilt als einer der wichtigsten japanischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Mishima war Kandidat für den ersten Literatur Nobel Preis eines Japaners, der dann 1968 an seinen Mentor und Landsmann Yasunari Kawabata („Tausend Kraniche“) ging.

Mishima schrieb 1956 eines seiner besten Werke, „Kinkaku-ji“ oder „The Temple of the Golden Pavillion“ in der englischen Übersetzung von Ivan Morris, und in deutscher Sprache unter dem Titel „Der Tempelbrand“. Im Juli 1950 wurde der historische Pavillon des Kinkaku-ji in Kyoto von einem 22- jährigen schizophrenen Mönch durch Brandstiftung völlig zerstört. (Die Rekonstruktion erfolgte 1955 und seit 1994 zählt der Tempelkomplex zum UNESCO Weltkulturerbe). Mishimas Erzählung basiert auf dieser Begebenheit.

Protagonist des Romans ist der heranwachsende Mizoguchi, äußerlich ein unattraktiver Stotterer aus ärmlichen Verhältnissen. Er musste miterleben, wie seine Mutter in Gegenwart des sterbenden Vaters mit einem Verwandten schläft. Von Mitschülern verspottet und mit geringem Selbstwertgefühl, versinkt Mizoguchi in seine innere Welt. Stärke schöpft er aus Verachtung von Schönheit und äußerlicher Vollkommenheit, und geheimen Plänen zur Manipulation seiner Umwelt.

Durch Bekanntschaft seines verstorbenen Vaters wird er von dem Abt des Kinkaku-ji als Novize aufgenommen. Er darf nebenbei die örtliche Universität besuchen, wo er den Kommilitonen Kashiwagi befreundet. Dieser ist gutaussehend, hat aber Klumpfüße und zeigt ein ebenso asoziales Verhalten. Mizoguchi betrachtet sich selbst als „Krüppel“ und hofft auf eine verständnisvolle Beziehung. Aber Kashiwaga ist ein durchtriebener Nihilist und emotioneller Ausbeuter, mit derselben zynischen Verachtung von Schönheit. Mit seiner anarchistischen Dialektik hilft er Mizoguchi dessen Gefühle zu formulieren und die dunklen, unheilvollen Gedanken in scheinbar logische Muster zu ordnen.

In den Dialogen der beiden entstehen denkwürdige Anschauungen:
„Wenn Menschen sich mit Schönheit intensiv befassen, werden sie – ohne es zu bemerken – mit den finstersten Gedanken in der Welt konfrontiert,…“

Kashigawa postulierte nach seinem ersten sexuellen Erlebnis:
„…die besondere Qualität der Hölle besteht darin, dass du alles bis ins kleinste Detail erkennst – und noch in der schwärzesten Dunkelheit.“

Er erklärt seinem Freund:
„Liebe ist die Bemühung, die Realität mit einer Vorstellung zu vereinen.“
Aber die Vorstellungen der Freunde vom weiblichen Partner bleiben Vorstellungen, die für beide nicht realisierbar sind.

Bei Mizoguchi zwängt sich in jeder Phase einer Beziehung, in jeden beschaulichen Moment, jedem angenehmen Erlebnis, der Goldene Pavillon dazwischen – mit seiner Perfektion als Paradigma des Vollkommenen quält er seinen minderwertigen Bewunderer. Am Ende will Mizoguchi den Menschen, die auf die Schönheit fixiert sind und den Jahrhunderte alten Idealen huldigen eine Lektion erteilen: Mit der Zerstörung des Tempels soll ihnen die Vergänglichkeit von Symbolen demonstriert werden, die vielen Generationen als ewiger Bestand erscheinen; „…that it is meaningless to infer indestructability by analogy“.

Die Leute sollten auf ihn, Mizoguchi, schauen – ein sprachbehinderter, introvertierter Soziopath, der aus seinem Inneren mit Überzeugung die Macht aufbringt um die Welt zu verändern, sie zu erneuern. Neuerschaffung durch Zerstörung der gehassten Ideale der Normalität: Liebe und Schönheit.

Advertisements

4 Gedanken zu „DIE HÖLLE DER VOLLKOMMENHEIT

  1. Wenn man die japanischen Krüppel-Mönche mit deutschen von selbsthass zerfressenen Rotfront-Linksfaschisten und Antifa-Judas-Hetzern vertauscht dann könnte man die Geschichte ganz locker „Die Mamisöhnchen-Versager-Jugend von Berlin-Neuköln“ betiteln.
    Trotzkistische Steinewerfen-Kristallnächte und Marxistischer Molotow-Terror als vermummte Kultur-Katharsis-Kathalysatoren missbraucht. Und alles nur, weil Papi die bolschewistischen A-Sozial-Zivil-Versager nie wirklich lieb gehabt hat.
    (Siehe auch: Linke Gewalttäter: Muttersöhnchen, Arbeitslose und gescheiterte Existenzen – https://sciencefiles.org/2016/05/05/linke-gewalttaeter-muttersoehnchen-arbeitslose-und-gescheiterte-existenzen/

  2. Pingback: DIE HÖLLE DER VOLLKOMMENHEIT — Der Staats-lose Bürger | per5pektivenwechsel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s