ZUM WELTTAG DES BUCHES

AUFERSTEHUNG

In einem Raume an der Wand
steh’n alte Bücher, Band an Band.
Gleich einem Friedhof der Gedanken
die einst der Musen Gnade fanden.

Nun Massen aus Papier und Leder,
verblich’ner Glanz zeigt sich dem Kenner,
aus mächt’ger Geister edler Feder
die stummen Worte weiser Männer.

Tausende von blassen Seiten,
verstaubtes Bett der großen Sagen,
sie liegen brach durch die Gezeiten
geduldig wartend Deiner Fragen.

Ziehst nur gedankenlos durch Bände
bleibt deren Seele Dir verschlossen,
als lauschest der Ruinen Wände
und ihrer Zeiten längst verflossen.

Nun geb‘ Dich einem Werke hin,
verstehend atme seine Worte,
erfahre seiner Weisheit Sinn,
durchschreite der Erkenntnis‘ Pforte.

Das alte Buch erwacht zum Leben
für Dich, der seinen Geist erkannt,
es wird Dir seine Wahrheit geben
und führt Dich zu der Weisheit Strand.

Der Geschichte größten Männer
hört man gerühmte Worte sprechen
und der Balladen Minnesänger
sieht man mit edlen Fürsten zechen.

Des armen Dichters schwarzer Rabe
verwünscht in Deine Seele dringt,
der Philosophen geist’ge Gabe
Dir die Vernunft ins Leben bringt.

Gibt es ein größeres Vergnügen
als Vergils schönen Worten lauschen,
als auf der Musen Schoß zu liegen
und sich an Dante zu berauschen?

Von Formeln bis zu Fabelwesen,
eröffnet Dir des Geistes Weiten,
hast Du nur mit Verstand gelesen,
Dein Buch und Du als Freunde scheiden.

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