DIE NABELSCHNUR ZUM VOLK

Das Wahlrecht ist die „Nabelschnur“ zwischen Volk und Staat. Erkennbar daran, dass es von den Alliierten absichtlich so gestaltet wurde, um Macht möglichst breit-flächig so zu verteilen, dass eben auch der Volkswille zur Unkenntlichkeit verwässert wird und Gewählte wie Wähler sich in Strukturen und Institutionen verlieren.

Hauptsache, keine Führungspersönlichkeit als Kanzler und keine klaren Entscheidungen.
Hauptsache, Koalitionen und Kompromisse, „Aufeinander zugehen“ und das „Mittelmaß“ erreichen. [Was ist die Mitte von Leben und Tod, Gift und Nahrung, Mann und Frau? ]
Hauptsache, einen „gemeinsamen Nenner“ finden – auch wenn er sich als der niedrigste gemeinsame Nenner unserer Gesellschaft erweist. So ist es fair, so ist es gerecht.

Sollten die Rechte & Pflichten der Bürger untereinander geregelt werden, indem der Staat jedes kleinste Detail ihres Handelns durch Gesetze und Vorschriften abzudecken versucht – oder durch die kulturellen Institutionen, Gemeinsamkeiten und Selbstverantwortung eines jeden, getrieben durch ethische Werte und Prinzipien?

Für den letzteren Fall, muss dies zuallererst im Willen der Bürger erwachen – dann ließen sich die erforderlichen Änderungen, durch Plebiszit zunächst für direkte Wahlen, möglicherweise erreichen.
Durch die bestehenden Institutionen und Strukturen können keine wichtigen Änderungen mehr erreicht werden. Das haben die letzten „demokratischen“ Wahlen bewiesen. Das liegt eben in der Absicht des Staates: Obfuskation durch chaotische Bürokratie und Verlegung der wichtigsten Verwaltungs- und Entscheidungsorgane außerhalb der Reichweite der Volkssouveränität. Wo immer auf der Welt ein Zettel mit einem Kreuzchen in eine Kiste geworfen wird, regieren Gerechtigkeit, Freiheit, Demokratie und der Wille des Volkes.

Mit der letzten Wahl hat sich das Volk noch weiter von seinem Staat weg-gewählt.
Wir erwarten die Beschlüsse der Regierung, wie die sich ihre ideale Gesellschaft vorstellt. Begrenzt sich bald das politische Engagement der Deutschen auf entzückten Beifall für Kabarettisten? Erschöpft sich die Meinungsäußerung auf das energischen Beklatschen populärer Antworten in Talk-Shows?

19 Gedanken zu „DIE NABELSCHNUR ZUM VOLK

  1. „Erschöpft sich die Meinungsäußerung auf das energische Beklatschen populärer Antworten in Talk-Shows?“ Ja, ich befürchte es leider! Wunderbar, wie Sie mit wenigen Sätzen den Ist-Zustand auf den Punkt bringen! Das „witzige“ ist, dass immer mehr schief läuft und es niemanden zu interessieren scheint. Es ist wie in einer Parallelwelt! So, als würden wir das Leben eines anderen führen!

    • Hallo Frau Kablitz!
      Vielen Dank für Ihren netten Kommentar. Auf vielen Blogs werden die Wahlen analysiert, „Stimm-Strategien“ diskutiert, die Moral des Nichtwählens erörtert, usw, usw.
      Als stünde man mit ein paar Idioten auf dem Schafott, die über die Qualitäten des Fallbeils diskutieren.
      Herzliche Grüße

  2. Für populäre Antworten in Talkshows kann sich aber auch niemand etwas kaufen.

    Auch nicht für die „solidarischen mitfühlenden Statements“ der engagierten Journaille bei twitter, so zum Thema angezündete Hütten: „Haaaaaaaach schlimm schlimm, das hört man leider immer wieder“. Echt jetzt? Es brennt am laufenden Band, ja ist denn JEDER Tag Hitlergeburtstag?

  3. Lieber Alphachamber! Der Artikel ist sehr, sehr griffig und analysiert, das bisher undefinierte Unbehagen in Bezug auf die „Demokratie“, das uns hier im Nachkriegsdeutschland umgibt. Man muß Ihnen deshalb herzlich danken für die strengen und tiefschürfenden, ja letztlich so einfachen Erklärungen der Zusammenhänge! Ich wünsche dem Thema eine breite Rezeption!

  4. Die Nabelschnur zum Volk wird auch mal nach dem Tod durchtrennt – in Jugoslawien hieß die Nummer unter Scharping (SPD) „hätte auch im Zivilleben passieren können“, um den Hinterbliebenen der sich dort bis zum Tode dienstlich aufhaltenden Soldaten keine Rente zahlen zu müssen.

    Im Jemen heißt die Nummer „hatte aber auch sowas von garnix mit der Botschafterin zu tun, hätte also auch in der Berliner U-Bahn passieren können“.

  5. „Liberal Fascism: The Secret History of the American Left from Mussolini to the Politics of Meaning“

    Wenn Ihnen dieses Buch gefällt, gefällt Ihnen vielleicht auch: Justin Bieber

    Ich dachte ich seh nicht richtig.🙂

  6. Yeah – und wenn Ihnen „Justin Bieber“ gefällt, gefällt Ihnen SICHER auch… „Das Kapital“. Und man denkt im Literaturbereich finden sich Menschen mit Intellekt! Es gibt wohl keine Branche mehr, der nicht von Nincompoops besetzt ist.

  7. Hallo Alphachamber,
    der Artikel tifft gut das Problem unserer heutigen „Demokratie“.
    Insbesondere die Sätze: „Sollten die Rechte & Pflichten der Bürger untereinander geregelt werden, indem der Staat jedes kleinste Detail ihres Handelns durch Gesetze und Vorschriften abzudecken versucht – oder durch die kulturellen Institutionen, Gemeinsamkeiten und Selbstverantwortung eines jeden, getrieben durch ethische Werte und Prinzipien?“ bezeichnen den entscheidenden Punkt, den der Selbstbestimmung des einzelnen Menschen, die durch jede inhaltliche gesetzliche Regelung ausgeschaltet wird. Siehe genauer: http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/05/17/fassade-demokratie/

      • Hallo Alphachamber, danke für die positive Beurteilung meiner Analyse auf dem Link.
        Zu Ihrem Kommentar auf meinen kritischen Artikel über das Aktienrecht im „Fassadenkratzer“ habe ich noch eine zweite Antwort angefügt, die sich inhaltlich mit dem Thema auf dieser Seite zusammenschließt.
        Freundlichen Gruß

  8. „Begrenzt sich bald….usw.“…… da stimme ich wirklich vollinhaltlich zu. Mit der politischen Reife krankt es halt leider (noch?)! Mit den Möglichkeiten der staatsbürgerlichen Mitbestimmung/Selbstbestimmung – detto. Klar. Gerade in Zeiten, wo man versucht ist, mit Berechtigung zu glauben, dass wir nur noch von „Verbrechern“ regiert werden, scheint Resignation nicht unangebracht. Bedenken habe ich betreffend die Sache mit dem „Volkswillen, der sich verwässert“. Bedenken insofern, als ich bezweifle, dass man den „wahren“ Willen des Volkes jemals würde feststellen können. Muss es nicht immer (mehr oder weniger) eine Ja /Nein-Entscheidung über eine dem Volk vorgelegte (und damit bereits auf einige wenige der möglichen Bereiche eingeschränkte) Frage bezogen sein, über die das Volk entscheidet? Allein, welche Frage wie formuliert wird, bringt schon dermaßen eingeschränkte Möglichkeiten, dass man von „Volkswillen“ schwerlich wird sprechen können, selbst wenn darüber abgestimmt würde, käme dadurch wirklich der “ Volkswille“ zum Vorschein oder doch nur die Antwort auf eine (vielleicht sogar unverstandene) Frage, zu einem gewissen Zeitpunkt? Man könnte gedanklich sogar noch weitergehen: Sind wir – bin ich – selbst im Stande zu jeder x-beliebigen Sache zu jeder x-beliebigen Zeit zweifelsfrei und eindeutig einen „Willen“ zu formulieren?
    Mit besten Grüßen

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