OLYMP DER BLAUEN GÖTTER

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Im Jahre 1625 schrieb der niederländische Rechtsgelehrte Hugo Grotius sein Werk „De jure belli ac pacis“, über das Recht im Krieg und Frieden. Er war überzeugt davon, dass bestimmte „Allgemeinrechte“, prinzipielle Naturgesetze alle Nationen und Gesellschaften durchdringen, unabhängig von ihren Kulturen und Traditionen; damit war er der Vater des modernen Völkerrechts. In seinem Werk „Zum ewigen Frieden“, forderte der deutsche Philosoph Immanuel Kant 1795 das Völkerrecht ein, auf das sich die Gründer des Völkerbundes (1920) schließlich bezogen.

Diese Vereinigung von hauptsächlich den Gewinnern des Ersten Weltkriegs und einer Reihe sozialistischer Staaten, funktionierte nicht so richtig. Zu groß waren die Eigeninteressen; außerdem war Amerika nie ein Mitglied und die Sowjetunion, Deutschland, Italien und Japan nur zeitweise. 1945 wurden dann die „Vereinten Nationen“ (UN = United Nations) gegründet, hauptsächlich durch die Initiativen des US Präsidenten Roosevelt und des englischen Premiers Winston Churchill. Diese „galaktische“ Behörde beherbergt weit mehr, als den berühmten, photogenen Sitzungs-Saal der Generalversammlung, in dem die heißen Debatten um die Zukunft der Menschheit geführt werden. Der imposante (und zwischenzeitlich marode) Glaspalast des „United Nations Plaza im Osten von Manhattan (New York) mit seinen Sekretariaten, Direktoraten, Diplomaten, Delegierten, Übersetzern, Bürokraten und Spionen, wuchs unaufhörlich zum wichtigsten internationalen Manipulationsorgan der Großmächte.
Die Mitglieder dieses universalen Kontrollzentrums sind mitnichten vereint – denn dann bräuchte es auch keine individuellen Nationen mehr. „Vergatterte“ Nationen wäre wohl ein besserer Begriff. Die UN, das ist moderne Kanonenboot-Politik, ohne die Kanonenboote. Die Waffen der Hegemonialmächte (die diese Organisation kontrollieren) sind Abstimmungen, öffentliche Zensuren, Sanktionen und Boykotte.
Die Charta der Vereinten Nationen listet die vermeintlichen „globalen“ Grundrechte der Menschheit und verschreibt Verfassungselemente, als Bedingungen für die Aufnahme in die „Gemeinschaft der zivilisierten Völker“. Dabei besteht diese Charta ausschließlich aus den Idealvorstellungen westlicher Gesellschaften und ignoriert die, zum Teil viel älteren und erfolgreichen, Kulturen der politisch schwächeren Mitgliedsnationen. Dieses kulturell einseitige Regelwerk liefert die Vorwände für Interventionen und Erpressung durch die mächtigen Gründungsmitglieder, der USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China. Die UN hat kaum Stärken, aber sämtliche Schwächen eines regulatorischen Nationalstaates.

Von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, bildete sich über die vergangenen Jahrzehnte ein gigantisches, supranationales Monstrum; ähnlich eines biomechanischen, selbsterhaltenden und unaufhörlich wachsenden, behördlichen Frankensteins. Stets warf man diesem UN-Moloch immer weitere Aufgaben „zum Fraß“ vor: Menschenrechts-, Entwicklungs-, Umwelt-, Kinderhilfs-, Handels-, Ernährungs-, Bevölkerungs- und Abrüstungs- Programme, um nur die größten zu nennen. Einige dieser Organe sind eher unter ihren Akronymen durch die Medien bekannt, wie UNDP und UNICEF.
Das Ungetüm installierte einen
Hochkommissar für die Flüchtlingsprobleme (UNHCR), und obendrein nochmals einen für die Menschenrechte. Dazu brauchte man anscheinend noch zusätzlich ein „Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten“. Darunter entsprangen verschiedene Hilfsprogramme, z.B. für die Flüchtlinge Palästinas, für Katastrophen, Drogenkontrolle und das „Weltsiedlungsprogramm“ in Nairobi. Weiterhin gibt es „sicherheitspolitische Nebenorgane“, Ausbildungs- und Forschungsaktivitäten (und ja, es gibt eine Universität der Vereinten Nationen, mit Hauptsitz in Tokio) und, schließlich, aber noch längst nicht endlich, 17 „Sonderorganisationen“. Einige davon sind ebenfalls unter ihren Akronymen geläufig: Beispielsweise die UNESCO (United Nation Educational, Scientific and Cultural Organization) und WHO (World Health Organization).

Die Vorsilbe „Welt-“ unterstreicht die anmaßende und größenwahnsinnige Haltung der Führungsgremien der UN, den monopolistischen Verwaltern des Gütesiegels des kosmischen Gewissens. Man erklärt sich als Batman im globalen Gotham, „Rächer der Enterbten“, Beschützer von Minderheiten und benachteiligten Individuen, Retter bedrohter Kulturen und der Unterdrückten – um seine eigenen Interessen, Privilegien und finanziellen Forderungen zu legitimieren. Die Grundidee ist die selbe wie mit Europas Brüssel: Was man national nicht zu erreichen vermag, lässt man von einer vermeintlich „neutralen“, „unparteilichen“ Autorität, die für das Individuum unbeeinflussbar bleibt, unangefochten durchsetzen.

Die UN ist ein globaler Organismus, der sich die Definitionen, Rechte, Gesetze und Maßnahmen in sämtlichen Existenz-Bereichen des Universums systematisch einverleibt, solange diese von internationalem Interesse der Supermächte sind. Der Aufwand dafür ist, gemäß seinen Ambitionen, ebenfalls gigantisch. Das Budget für das weltumspannende UN-System lag 2011 bei ca. 15 Milliarden Dollar. 2,5 Milliarden davon, verschlingt alleine die jährliche Erhaltung der Kernverwaltung. Die Deutschen liegen mal wieder mit ihren Beiträgen (rund 200 Millionen) ganz vorne; wie immer, wenn es um internationale Verpflichtungen oder einfach um freiwillige Zahlungen geht. Die beiden UN-Mitbegründer Frankreich und England, lagen mit einigen Millionen hinter Deutschland. Mehr gaben nur Japan (300 Millionen) und die USA (580 Millionen). Daneben wirken die 80 Millionen von dem Giganten China und Russlands 40 Millionen geradezu armselig.
Wie in den meisten Metropolen der Welt, besetzen die UN auch einen Gebäudekomplex in der ehemaligen deutschen Hauptstadt. Das frühere Bonner Abgeordneten Haus, der 30-Stöckige „
Langer Eugen“, wird nach einer 58 Millionen Euro teuren Sanierung die 1.000 Mitarbeitern des sogenannten UN-Campus beherbergen. Hauptsächlich die Büros der „Klimarahmenkonvention“ und der „Nachhaltigkeitsbereiche“ werden in der neuen UN-Stadt zusammengefasst. Apropos Nachhaltigkeit: Wenn immer Sie einer bürokratische Wortschöpfung mit fadenscheiniger Bedeutungslosigkeit über den Weg laufen, liegt ihr Ursprung mit hoher Wahrscheinlichkeit im Sprachgebrauch der UN oder ähnlichen sozialen, altruistischen Organisationen.

Die UN unterhält weltweit 63.000 Festangestellte, 16.000 alleine in den Sekretariats-Bereichen. (Ihren Kritikern stellt die UN auf ihrer Informationsseite gerne Beispiele aus der Industrie gegenüber: Die Coca-Cola Company, z.B., hätte weltweit über 70.000 Mitarbeiter.) Dabei kümmere sich die UN aber um „praktisch jedes humanitäre Anliegen, fördere den Weltfrieden und organisiere menschliche Nothilfe auf globaler Basis.“ Dafür erwirtschaftet Coca-Cola aber auch einen dreimal so hohen Jahresumsatz wie das UN-Budget verschlingt. Außerdem zahlen private Firmen nationale Steuern. Wer von den beiden Organisationen mehr zur Völkerverständigung beiträgt, steht sicher auch noch offen. Bis auf einige Ausnahmen hat es sich praktisch erwiesen, dass UN-Organisationen verschwenderisch und generell wenig effektiv operieren. Dabei maßt sich diese Superbehörde doch einiges an: Die UN wollen die universellen Werte, Rechte, Gesetze, Menschenrechte und nationale Verhaltensstandards, über die Unterschiede von 2000-Jahre alten Kulturen und extrem gegensätzlichen gesellschaftlichen Systemen hinweg definieren. Diese Definitionen und Rechtsansichten gehen weit über die natürlichen Basisrechte der frühen Philosophen, wie John Locke (1632-1704), dem Urheber des Klassischen Liberalismus, oder Thomas Paine (1731-1809), einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten, hinaus.

Als weltweiter Standard, wären das „Recht auf Leben, Freiheit und Gleichheit“ für die meisten Menschen schon mehr als genug; aber selbst das ist anscheinend schon nicht mehr nachvollziehbar in Ländern wie z.B. Nord-Korea und Saudi Arabien. Nach der „UN Declaration of Human Rights“ (Charta) jedoch, stehen der gesamten Menschheit prinzipielle Rechte zu, von denen ich bis jetzt selbst noch nicht wusste, dass ich sie besitze. Jedenfalls fiele es mir nicht im Traum ein, sie einzuklagen. Aber auf dieser Ebene geht es nicht mehr um Vernunft. Die Funktionäre der Vereinten Nationen haben wohl schon lange nicht mehr aus ihren Fenstern geschaut, geschweige denn, ihre Philosophen gelesen. Sie befehligen eine Heerschar von „Blauhelmen“ und Offiziellen, mit blauen Armbinden, Gott-gleiche Schiedsrichter der ultimativen Objektivität und Gerechtigkeit auf dem globalen Spielfeld des Universums – und mit dem tatsächlichen Glauben, dass ohne sie die Welt zusammenbricht. Die meisten dieser „Grundrechte“ der Charta, sind die brainfarts von überbezahlten und überflüssigen UN-Bürokraten und werden uns noch teuer zu stehen kommen. Nichts wird zu Recht, nur weil es als solches deklariert wurde. Die UN-Version der Menschenrechte kann niemals verfassungsähnlichen Charakter haben, da ihr das Mandat einer einheitlichen staatlichen Willensbildung fehlt. Wozu also der Aufwand? Besonders die Artikel 23. –27. der UN Charta, müssten in der Hälfte aller Mitgliedsnationen dieselbe Wirkung haben, als wenn in unserer Verfassung das persönliche Recht auf Flachbildschirm-TVs und tägliche Ganzkörpermassagen verankert wäre.

Die Verfassung der Volksrepublik China beispielsweise, enthält das Versprechen, dass „Diskriminierung und Unterdrückung von ethnischen Minderheiten verboten ist und dass alle Nationalitäten die Freiheit haben, ihre Sprache in Wort und Schrift zu benutzen und ihre kulturelle Eigenständigkeit zu bewahren“ (Kapitel I. Generelle Prinzipien, Art.4) (Hat man vergessen den Tibetern zu sagen). Außerdem haben „die Bürger der Volksrepublik China das Recht zur Kritik an jeglichen staatlichen Organen oder Funktionären und können diesen Institutionen Vorschläge zur Verbesserung unterbreiten.“ (Kapitel II. Die Fundamentalen Rechte und Pflichten der Bürger, Art. 41.) Am 4. Juni 1989 (Tian’anmen-Massaker) war die Welt Zeuge, wie das staatliche China auf solche Kritik und Vorschläge reagiert!

1945 schrieb ein gewisser Ho Chi Minh in seiner „Unabhängigkeitserklärung der Demokratischen Republik Vietnam“: „All men are created equal. They are endowed by their Creator with certain inalienable rights; among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.Wenn das verblüffend ähnlich der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung klingt, ist das kein Zufall. Onkel Ho sah sich zu der Zeit noch als Verbündeter der USA gegen die Japaner und des französischen Vichy Regimes.

Wenn also schon die Rechte der Bürger in den jeweiligen nationalen Verfassungen von der Realität abweichen, wie könnten die erheblich weiterreichenden „Rechte“ der UN-Charta gesellschaftliche Verbesserungen auf globaler Ebene bewirken. Eine totale wirtschaftliche Umverteilung innerhalb der Bundesrepublik würde schon ziemlich krasse soziale Verzerrungen mit sich bringen. Wie wäre das Resultat, wenn man sämtliche Einkommen der Welt addierte und dann durch die Weltbevölkerung teilte? Hätte dann jeder der 7 Milliarden Menschen, vom sudanesischen Flüchtling bis zu Bill Gates, noch ca. 50.00 Dollar im Monat? Wie würde sich das Resultat auf das wirtschaftliche Wachstum und industrielle Investitionen auswirken? Erinnern Sie sich noch an den „Dominanz-Effekt“? [https://huaxinghui.wordpress.com/2013/01/08/der-dominanz-effekt/]. Sicher gäbe es weltweit kein klares Wasser mehr! Die Internationalen Organisationen und NGOs, die mit der Vermarktung und Kontrolle dieser Utopien beauftragt werden, können sich schon seit einiger Zeit von diesen Zukunfts-Konzepten ein schönes Leben machen. Aktivisten und professionelle Gutmenschen sind die ersten, die von diesen sogenannten Rechten und Konventionen profitieren. In einem späteren Teil erfahren Sie, wie diese Aktivisten die Welt verändern – und welchen Spaß sie dabei haben.

Sehen Sie mal, welche „Rechte“ Ihnen bisher entgangen sind: http://www.un.org/en/documents/udhr/

15 Gedanken zu „OLYMP DER BLAUEN GÖTTER

  1. Da es anders gemeint war, etwas OOT: nur wegen blauer Armbinden diese Leute da als „blaue Götter“ zu bezeichnen, ist ein klein wenig ungerecht den Blauen gegenüber.
    Ich vergleiche ja auch nicht grüne Hautfarbe mit Leuten wie Claudia Roth und Renate Künast, bloß weil die in einer „grünen“ Partei sind.

    • Wenn das Ihre Antwort auf diesen fundierten Artikel ist haben Sie ihn scheinbar nicht verstanden oder wollen ihn nicht verstehen. Die Überschrift „OLYMP DER BLAUEN GÖTTER“ spiegelt in bester sarkastischer Weise den Inhalt des Aufsatzes wieder.

      • Nur ned glaisch uffreesche!
        Ich bete halt nicht zur UN.
        Thaksin sagte: „Die UN ist nicht mein Vater“.
        Da darf ich doch sagen „Die UN ist nicht mein Gott“.

        Und mal ährlisch, kann man als einer der wernigen normalen Irren in einem Land voller erheblich Irrer (Deutschland) anders als zynisch reagieren?

  2. Kämen sich die „Götter“ beschweren, wäre das natürlich „hilfreich“.
    Denn die würden sich nicht beim alphachamber, sondern bei den oben im Artikel erwähnten angeblichen „blauen Göttern“ beschweren. Da Obama es gerade wegen dem republikflüchtigen Agenten da so darstellt, als wenn Hongkong jetzt Mitglied im Antikominternpakt sei, könnte ein Eingreifen blauer Götter friedenssichernd wirken.

  3. „Onkel Ho sah sich zu der Zeit noch als Verbündeter der USA gegen die Japaner und des französischen Vichy Regimes.“

    Bis der US-Verbündete Tschiang Kai-Schek den Norden Vietnams im Namen der Franzosen besetzte, weil die selbst keine Truppen dafür hatten. Zur Belohnung gab es einen abrupten Karma-Absturz und National-China fiel zusammen wie ein Kartenhaus. Kleine Sünden belohnt irgendwer also sofort!

  4. Sehr feiner Artikel, obwohl er unendlich wütend macht! „Aktivisten und professionelle Gutmenschen sind die ersten, die von diesen sogenannten Rechten und Konventionen profitieren“! Ja und nicht nur die ersten! Im nächsten Leben werde ich Gutmensch, dann muss ich mir um mein auskömmliches Leben auf Kosten anderer keine Gedanken mehr machen, dann fluppt das von ganz allein und ich kann mir auch noch den Heiligenschein auf den Kopf setzen lassen. Herrlich!

  5. Die USA waren nie Mitglied im Völkerbund, das wurde ihnen aber nicht vorgeworfen.
    Bei Japan dagegen führte der Austritt aus dem Völkerbund nahezu zur Ächtung.
    Als Thailand in den Völkerbund eintreten „durfte“, wurden zwar die ungleichen Verträge mit den Franzosen und Briten anulliert, die geraubten Gebiete blieben aber in den Händen der Schurkenstaten.

  6. Für meine Begriffe war ja schon das Wort „Völkerbund“ eine Lüge.
    Da waren ja die Basken, Sorben, die Shan im britisch besetzten Hinterindien, die Schwarzen Tai in Nordvietnam und hunderte andere Völker nicht drin. Ganz Afrika wurde von den „Völkern“ Frankreich und Großbritannien vertreten.
    Mit dem Begriff „Nationen“ wurde es nicht besser: als was war beispielsweise Österreich-Ungarn im Völkerbund, ein Staat in dem es Deutsche, Ungarn, Tschechen, Slowaken, Ukrainer, Rumänen, Serben, Slowenen und Kroaten gab?
    Was änderte sich mit Gründung der Vereinten Nationen? Außer dem Rätsel daß die Sowjetunion als drei Nationen Mitglied wurde: offensichtlich gab es eine russische, eine weißrussische und eine ukrainische Nation, denn jede hatte eine Stimme. Die Finnen, Esten. Liven und Litauer in der Sowjetunion nicht. Die Wolgadeutschen sowieso nicht. Seltsam.

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