WANDERER, KOMMST DU NACH MUSA DAGH

Die Debatte um die türkisch-armenische Geschichte gibt einen weiteren Hinweis auf den geistigen und moralischen Abstieg der deutschen Politik und viele ihrer Bürger. Geistig, weil sich die meisten kein klares Bild der Hintergründe und historischen Umstände verschaffen und weil ihre Denkweise keine vernünftigen Schlüsse zulässt. Moralisch, weil ihnen die ethische Urteilsfähigkeit weitgehend abhanden gekommen ist.

Die sogenannte (und in den westlichen Demokratien in Mode gekommene) „Aufarbeitung“ historischer Untaten ist von keinerlei ethischem Wert und bloße Heuchelei, wenn sie willkürlich und aus politischem Opportunismus geschieht. Schwachsinnig ist es außerdem, geschichtliche Ereignisse mit den Maßstäben einer sich längst geänderten Moralität zu messen. Wir sind fasziniert von den großen Eroberungen und bewundern so ziemlich jeden großen Schlächter und Vergewaltiger der Geschichte, von Ghengis Khan über Alexander den Großen bis zu Napoleon. Seit dem späten 19. Jahrhundert, werden die glorreichen Schlachten langsam zum Völkermord – was jeder Krieg im Grunde genommen ist.

Mit dem Ende des WK I. wurden die Spielregeln der Macht neu geschrieben. Ein globales Bündnis und „Universelle Menschenrechte“ bildeten nun die Grundlage für die gleichen brutalen Interventionen wie Jahrtausende zuvor – nur, erstmals, wurden Religion und Eroberungslust durch Demokratisierung und Moral ersetzt. Durch den wohl nimmer-endenden, automatischen und reflexartigen Bezug auf die „Deutsche Vergangenheit“ – bei dem widersinnigerweise eine der größten Schandtaten der Geschichte, scheinbar die höchste Qualifikation zur moralischen Selbsterhebung erteilt – erdreistet sich die Politik zu globalen Urteilssprüchen über Recht und Unrecht und Gut und Böse. Wir müssen es ja „wissen“.

Zitat:
„Wer sich mit der Geschichte befasst, braucht weder ein Denkmal für die Schoah, noch eines für die Schlacht im Teutoburger Wald. Denkmäler sind nur Wegweiser für die Verlorenen“.
(Thomas Bovet)

14 Gedanken zu „WANDERER, KOMMST DU NACH MUSA DAGH

      • Das sind die engen Grenzen. Auch wurde vielleicht manch Positives erreicht, das soll auch nicht abgesprochen werden.
        Darum geht und ging es den Machtmenschen aller Epochen aber nicht.

  1. Einmal mehr sieht der staatenlose Bürger die Welt ähnlich wie ich selber. Komisch nur das man die Artikel nicht in den Massenmedien findet. Warum wohl?

    • Thomas, es gibt wenige Menschen mit diesen Ansichten, sie sind gegen den Strom. Fänden sie sich in den Massenmedien, wären sie nicht für die Massen. Danke für Ihren netten Kommentar.

      • Die Ansicht ist gegen den Strom aber sie ist wahr und damit ein wert an dem die Masse sich zu orientieren hat. Nicht weil man ein Despot ist sondern weil es keine Vernunft und Logik gibt die sich nicht an der Wahrheit orientieren wird.

  2. Im Prinzip nicht falsch. Aber richtig ist auch (und dieses sollte man auch erwähnen) dass, der Völkermord an den armeniern nicht erst heute, sondern schon damals ein Verbrechen war.
    Deutsche Offiziere hätten dieses niemals befohlen.

  3. „Wir sind fasziniert von den großen Eroberungen und bewundern so ziemlich jeden großen Schlächter und Vergewaltiger der Geschichte, von Ghengis Khan über Alexander den Großen bis zu Napoleon.“

    Nein ich fühle mich abgestoßen, finde es Ekel erregend. Gerade bei einigen Beispielen geht es mir so. Abraham Lincoln, Friedrich der Große, John F. Kennedy. Ich bin nicht fasziniert sondern entsetzt wie weit die Bereitschaft geht für wen auch immer zu morden.

    Ich kann auch keine Achtung dafür empfinden. Ich nehme aber an so war es nicht gemeint es kann faszinieren kann einen ja etwas besonders gutes/schönes aber auch Schlechtes.

    Ich fand dazu ein gutes Beispiel in ich denke es war superforcasting. Wo es in einem englischen Buch den Begriff des Auftrags gab. Dort ging es darum wie die Wehrmacht eben im II Weltkrieg geführt wurde, wo vorgegeben wurde was erreicht werden soll aber nicht wie.

    Ich selber bin inzwischen für mich zu der einfachen Definition gekommen, daß Größe einfach auch etwas mit den Anzahl der Ermordeten zu tun hat. Je größer desto mehr Opfer. Damit fahre ich ganz gut. Sie können es ja mal probieren ;-(

    • Moralität des Kriegs war nicht unser Thema; dennoch braucht der Frieden den Krieg, wie Gott den Teufel braucht. Bei Ihrem zitierten Buch wundert es, wozu ein englischer Autor die Deutsche Wehrmacht als Beispiel der Machtausübung benötigt. Die englische Kolonialmacht ist selbst das Paradigma für „Der Zweck heiligt die Mittel“, wenn es um Sicherung und Erweiterung des Empire ging.
      Ihrer letzten Feststellung können wir leicht zustimmen, mit der Eingrenzenden Unterscheidung zwischen Ermordeten und Opfer; eine Differenzierung, die bis in die Dämmerung der Menschheitsgeschichte reicht.
      HG

      • Ich hätte es besser formulieren sollen. Es ging um die Art wie die Wehrmacht funktionierte, was man bewundern oder anerkennen sollte. Und das mit dem Opfer stimmt auch. Ist man ein Opfer wenn man irgendwo ganz weit weg von zu Hause in einem Krieg fällt oder Ermordeter? Aber ich kann mir ja helfen wenn ich das hier betrachte: https://www.q-software-solutions.de/blog/2015/11/da-ich-nicht-alle-lexika-alleine-betreuen-kann/
        Opfer ganz schleicht Betroffene ist besser und Schauen wir mal
        Je „größer“ (der Mensch) desto mehr Betroffene – paßt.

        Sehen Sie man lernt nie aus ;-(

      • Als Opfer kann man sich höchstens noch wehren, indem man sich selber vergast.
        Im Youtube-Zeitalter wird man wenigstens posthum zum Hit und kann seine Gegner auch „danach“ noch etwas ärgern.

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