SO MACHT KAPITALISMUS SPASS [ II. TEIL ]

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Für eine einfache Verwaltung innerhalb einer weniger komplexen Staatsform braucht man eine Bürgerschaft mit ungefähr gleichen Interessen und Zielen. Eine natürlich gewachsene Symbiose zwischen den gesellschaftlichen Gruppen. Betreibt die Politik eine rein ideologische und altruistische Gleichmacherei, hemmt sie damit die Funktion der sozialen Institutionen.

Die gesellschaftliche Dynamik und Zusammenarbeit wird gestört und Schichten, die sich ergänzten, werden zu Konkurrenten. Das wiederum setzt den Kreislauf der „sozialen Bedienung“ in Gange. Anstelle einen Ausgleichs zu schaffen, verhindert man eine gleichstrebende homogene Gesellschaft. Hierzulande ist dieser Effekt wohl erwünscht, denn Politik lässt sich nur mir gegensätzlichen Interessen betreiben und wenn man die Fraktionen gegeneinander ausspielen kann. Das hat man in Hong Kong verhindert und selbst die immer noch kommunistische Zentralregierung in Beijing hat deshalb kein Interesse an Parteienbildungen im westlichen Sinne.

Was geschieht also mit der Gruppe der Erfolglosen, Behinderten und alleinstehenden Alten? Haushaltsüberschüsse der SAR Administration ermöglichten es sicher, ein anhaltendes Sozialprogramm zu entwerfen, wenigstens sich dieser Schicht anzunehmen. Aber die Regierung war entschlossen, keine sozialstaatlichen Strukturen aufzubauen. Dafür hatte man ein besseres Konzept: Die staatliche Lotterie („Mark Six“, ähnlich unserem deutschen Lotto) und den Pferderennen des H.K.J.C. (Hong Kong Jockey Club.) Diese sind die einzigen offiziellen Institutionen für erlaubte Wetten der von Spiel-Leidenschaft besessenen chinesischen Gesellschaft. Einen Teil der Einnahmen der 2 mal wöchentlich ausgetragenen Pferderennen und der wöchentlichen Lotterie, decken nahezu die gesamten Kosten der Wohltätigkeits-Programme. Krankenhäuser, Waisenhäuser, Altenstifte, öffentliche Sportanlagen und sogar höhere Bildungseinrichtungen einbezogen. An einem einzigen Renntag, bei der Saisoneröffnung in 2007, hatte der R.H.K.J.C. (ehemals „Royal Hong Kong Jockey Club„) Einnahmen von 100 Millionen USD. Der H.K.J.C. hat circa 23.000 Mitglieder, ist der größte Steuerzahler Hong Kongs und schenkt darüber hinaus noch jährlich 13 Millionen Dollar an verschiedene private soziale Einrichtungen.

Außerdem errichten die reichsten Geschäftsleute gewohnheitsmäßig kommunale Stiftungen und die zahlreichen anderen Klubs der Elite (wie der schon erwähnte Rotary International) wetteifern mit regelmäßigen Wohltätigkeitsveranstaltungen und Dinnerpartys. Die meisten der modernen Kliniken, Fakultäten der Universitäten, Heime für Behinderte u.s.w., tragen die Namen der Prominentesten Finanziers, Industrielle, Banken und andern privaten Organisationen. Der Chinese glaubt, dass es gut für das eigene Seelenheil ist, wenn man von dem erworbenen Reichtum wieder etwas an seine Gemeinde zurückgibt. Die Administration kann sich darauf verlassen und es macht eine gesetzlich angeordnete Umverteilung überflüssig. Dann können Vertreter der privaten Spender mit den sozialen Einrichtungen und Interessengruppen in direkten Verbindung treten und sich vor Ort von den Bedürfnissen der Empfänger überzeugen. Somit werden Verluste durch unnötige verwaltungsmäßige Reibungsenergien vermeiden. Es ist immer leichter und vielleicht auch persönlich vorteilhafter ein System zu verkomplizieren. Eine Vereinfachung, auf der anderen Seite, scheint es zu erfordern, unverhältnismäßig größere Barrieren und Wiederstände zu überwinden.

Eine weitere Einnahmequelle für soziale oder kommunale Projekte, ist die geniale Ausbeutung eines weiteren Lasters: Der Eitelkeit. Die Hong Konger die so hart für ihren Reichtum arbeiten, wollen ihn auch gerne vorzeigen. Das dumme ist nur, dass schon so viele Einwohner es zu etwas gebracht haben. Mit der größten Dichte von Luxuskutschen der Welt, wie Rolls-Royce und Ferraris auf den Straßen, Villen und Yachten, ist es richtig schwer sich nochmals etwas weiter vom ordinären Millionärspöbel abzusetzen. Da kommt es gerade geschickt, dass es doch noch etwas Einzigartiges gibt: Eine Fahrzeugzulassung mit einer „seltenen“ glücksbringenden Nummer. Solche Nummernschilder haben Zahlen, welche im einheimischen Dialekt ausgesprochen, ähnlich klingen wie die chinesischen Begriffe für „langes Leben“, Reichtum, „ewiges Glück“, usw. Die Superreichen sind besonders abergläubisch. Wohnungen, Büros, ja ganze Bauprojekte werden nach ihren Feng Shui -Experten (chinesische Form der Geomantik) eingerichtet und konzipiert. Wichtige Reisen und Unternehmungen müssen sich auch nach den Vorausberechnungen und Einschätzungen dieser Berater richten.
Diese begehrenswerten Zulassungen werden also in Auktionen meistbietend versteigert. Die seltensten und gefragtesten gelten immer nur für eine Jahresperiode und sind unveräußerlich, also nur eine teure Leihgabe. Sie werden aber gewöhnlich zu Preisen bis zu 2 Millionen Euro versteigert. Wenn dann zwei ähnliche Rolls-Royce Silver Ghost mit lässiger Trägheit auf den Parkplatz des Royal Hong Kong Yacht Club ziehen, sieht man dann sofort an den beiden offiziellen Blechtäfelchen wer hier der Dai-Lo (Hohes Tier) ist. Der Gesellschaft ist hiermit zweifach gedient, erstens fließen die Erlöse in Gemeinnützige Zwecke, und zweitens erkennt man seine Gönner und kann sich bei ihnen bedanken – wenn man von den Leibwächtern herangelassen wird.

Dieses erfolgreiche Schema wurde, auf rege Anfragen aus der Bevölkerung hin, bald erweitert. Wem also in Hong Kong der zufallsgenerierte Zeichensalat auf seinem Nummernschild nicht gefällt, hat jetzt die Möglichkeit, seine eigene Zulassung zu kreieren. Auf simplen Anträgen per Internet gibt man seine (maximal 8-stellige) Kombination von Ziffern und Buchstaben ein. Der Antrag kostet 50 Euro. Alle Wünsche werden über einen Monat gesammelt und dann veröffentlicht. Hat man einen persönlichen Begriff gewählt den kein anderer interessiert, bekommt man seine Registrierung unangefochten für den Basisbetrag. Wenn der Begriff, oder Namen mehrere Interessenten hat, kommt es wieder (wie auf E-Bay) zu einer Versteigerung. Zeichen wie Batman, Supergirl, 007 u.s.w., sind natürlich der Renner In Hong Kong und entsprechend begehrt. Diese privaten Zulassungen sind also relativ leicht und günstig zu bekommen und machen Spaß zu „lesen“. Die einzigste weitere Restriktion ist, dass die Begriffe „jugendfrei“ sein müssen.
Allerdings wäre zu erwarten, dass sich die starre deutsche Bürokratie schwer tun würde solch eine einfache, schmerzlose und, vor allen Dingen, freiwillige Geldquelle anzuzapfen. Natürlich bedürfte es hier auch eines größeren Gremiums von Experten, um alle beantragten Wörter auf ihre politische Korrektheit hin zu überprüfen!

Geiz sowie Großzügigkeit sind über alle menschlichen Gemeinschaften verbreitet und lassen sich nicht sanktionieren. Außerdem spenden Deutsche bei Katastrophen generell besonders schnell und freigiebig (zusätzlich zu staatlichen Hilfsgeldern). Prinzipiell muss aber der Gebende selbst über den Zweck seiner Beiträge verfügen können, sonst nimmt man ihm die Motivation und dem Empfänger die Würde (siehe meine post MIT HARTZ IV INS MITTELALTER).
Unser Staat begründet die Verbreitung sozialer Maßnahmen mit vermeintlicher moralischer Verpflichtung, dabei geht es ihm doch nur darum, einen möglichst großen Teil des Volksvermögens unter staatliche Kontrolle zu bringen. Durch die gesetzlichen Zwänge wird dem Prozess der Umverteilung selbst die ethischen Aspekte entzogen. Das Verteilen unverdienter Zuwendungen ist nicht weniger unmoralisch als die freie Verteilung abhängig machender Drogen.
Wenn aber (Steuer-) Gesetze auf unmoralischen Prämissen stehen, bleiben moralische Appelle an die Bürger wirkungslos. Die individuelle Selbstverantwortung schwindet mit jeder neuen staatlichen Forderung – eine schlechte Grundlage für die Verurteilung von Steuersünder!

12 Gedanken zu „SO MACHT KAPITALISMUS SPASS [ II. TEIL ]

  1. Es wäre so hilfreich, wenn das endlich in die Köpfe hineingehen würde. Aber ein Großteil der Deutschen glaubt immer noch an die Umverteilungsindustrie. Ein Blick hinter die Kulissen würde lohnen und die entlarven, die von diesem sozialistischem System am meisten profitieren. Leider wird man als unsozial, egoistisch und kalt diffamiert, wenn man sich gegen die derzeitigen Praktiken stellt, was bedauerlicherweise denen in die Hände spielt, die sich insgeheim ins Fäustchen lachen.
    Ein sehr schöner Beitrag, der beweist, wie eine bessere und humanere Welt möglich wäre. Eine Welt, wo den Armen und Bedürftigen wirklich geholfen wäre und dabei niemandem etwas unter Zwang weggenommen werden würde.

    • Vielen Dank fürs Lesen und Ihren Kommentar.
      Einfachheit=Transparenz=Verantwortung=Kompetenz. Wie Sie sagen, können sich die Politiker dann nicht mehr in den Tiefen ihrer (Karriere-notwendigen) behördlichen Obfuskationen verstecken.
      Unser Parteien-System ’schützt‘ uns vor fähigen Staatsmännern und schützt die Unfähigen vor dem Volk!
      Viele Grüße

  2. Das sieht nach einem gelungenen Konzept aus, jedoch in einer Kultur, die sich von der unseren grundlegend unterscheidet. Auch kann ich nicht nachvollziehen, was an unserem umlagenfinanzierten Rentensystem falsch sein sollte. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass bereits ein Feldversuch in D sich völlig anders entwickeln würde als dort. Warum muß man immer alles abschaffen, anstatt die bewährten Elemente zu übernehmen? War es bei der Wiederveinigung nicht auch so? Warum hat man das dortige Bildungssystem nicht übernommen?
    Zuletzt ist die Bereitschaft etwas zu geben (Sozialsysteme) erheblich größer, wenn man genung zum Geben hat. Bestimmt wären die Bayern gerne bereit, hier den Piloten zu machen.
    Lassen sich auch Aussagen über die Art der Geschäfte machen, die dort getätigt werden?

    • Danke für Ihren Kommentar, bitte entschuldigen Sie die späte Antwort. In der post „STIMMEN SIE FÜR EINEN NEUANFANG“ bin ich auf die Schwierigkeite für eine Strukturerneuerung in Deutschland eingegangen. Ein „Feldversuch“ hier ließe sich nicht durchführen, da er für einen Erfolg eine Neueinstellung gegenüber sozialen Konzepten erfordert (Sie haben dies – bei meinem Respekt vor Ihrer Meinung – durch Ihre eigenen Einwände gegen den Kapitalismus demonstriert.) Gewohnheiten erlangen, ungerechtfertigterweise, schnell Rechtsstatus und werden dadurch zum Nachteil der großen Mehrheit einklagbar. Grundrechte müssen aber auf prinzipiellen kulturellen Institutionen basieren, nicht auf Populismus oder sozialen Trends. Beispiel: Das Recht auf Arbeit ist ein universelles Grundrecht aller Menschen – aber nicht das Recht auf einen Arbeits-PLATZ! – Das wird hier verwechselt.
      In H.K. kennt man diese Unterschiede und lebt pragmatisch und handelt rational. Weiter: Der Kern jeder gesunden Gesellschaft ist die Familie (in unterschiedlicher Form und Art), Sippe und lokale Gemeinde. Darin verankert sich die persönliche Sicherheit, nicht im Staat. In H.K. funktioniert die Gesellschaft noch im positiven traditionellen Sinne – ein echter Dorn im Auge der bigotten westlichen Missionare der liberalen Gleichmacherei. Dort ist jeder für sich verantwortlich und dennoch ist die Gesellschaft moralisch genug, ohne staatlichen Zwänge, zu verhindern, dass Einzelne unter inhumanen Bedingungen existieren. Allerdings liegt dort die Meß-Latte bei Dach, Bett, Nahrung – nicht bei Flachbildschirm TV und iPhone.
      Grüße

  3. Nun, bei allem Respekt für ihre Überzeugung, sie machen den Fehler dass das was in einem Land funktioniert, in anderen Ländern auch funktionieren soll und vernachlässigen damit funktionierende und bewährte Konzepte wie z.B. unser Rentensystem. Bitte geben sie mir ein vernünftiges Argument, was dagegen sprechen sollte, zumal es ja während/mit der Arbeit finanziert wird. Was spricht gegen eine Arbeitslosenversicherung? Auch dieses Konzept kann optimiert werden. Was ist falsch an einer Krankenversicherung? Auch hier kann das gesundheitsfördernd anstatt pharmazieunternehmensfördernd umgestaltet werden. Nur so mal als Anregung.
    In der ehemaligen DDR konnte man gut sehen was dabei rauskommen kann, wenn man einfach ein Konzept überstülpt und bestehende gute Konzeptionen(z.B. Bildungssystem, Mehrwegsystem) einfach ignoriert.
    Insofern also meine Frage, wer macht hier vielleicht welchen Fehler?
    Es ist einfacher etwas abzuschaffen, nachdem es sich zeigte, dass man es nicht mehr braucht, als es wieder neu einzuführen.
    Bezüglich Arbeitsplatz kann ich das so stehen lassen, solange es genügend Arbeitsplatzangebote gibt. Was aber zwingenderweise fehlt ist das Recht auf eine Berufsausbildung, das darf nicht fehlen.
    Die Arbeitsplatzproblematik ist auch ein Verteilproblem, wie man ja heute allzu deutlich erkennen kann. Wenn auf der einen Seite zuviel Geld abgeschöpft wird, vernichtet das auf der anderen Seite die Arbeitsplätze. D.h. auch das muß im Gleichgewicht bleiben können.
    Ich würde Honkkong bestenfalls als Pilotprojekt bezeichnen.

    • Ich begrüße Ihre Kritik und freue mich über Ihr Interesse, hoffe aber Sie werden genauer lesen um Unterstellungen zu vermeiden. In keinem meiner Artikel äußerte ich “Überzeugung”, dass Systeme (auch bessere) in anderen Gesellschaften gleich funktionieren. Das habe ich in dieser post ja selbst angezweifelt! Ich bin ein Gegner von implantierten kulturverändernten System-Aufzwingungen. Das geht auch wieder klar aus meinen Artikeln hervor (z.B. “TÖTET JEDEN MIT KULI & BRILLE”)

      Meine posts beschreiben Alternativen die nachweislich besser funktionieren als unser gegenwärtiges System. Aber man kann nicht einfach einzelne Elemente übertragen. Wie sich ein Wartburg durch Einbau einer 8-Zylinder-Maschine nicht in einen Ferrari verwandeln lässt. Ihre Beispiele der Arbeitslosenversicherung sind kultureller Natur und haben in
      dem gleichen Zeitraum versagt, in dem Asiatische Modelle der privaten Vorsorge wesentlich erfolgreicher sind.

      Wo habe ich bitte geschrieben, dass “Krankenversicherung falsch” sei? Ich verurteile die “Zwangsvollstreckung” eines Staates, der seine geheuchelte, rein eigennützige und perverse Vorstellungen von “sozialer “Fürsorge” erbarmungslos auf jeden einzelnen extrapoliert. In vielen Gesellschaften gibt es keine Chancen für Alternativen. Z.B. N. Korea, Myanmar, Vietnam, oder auch Indien und Indonesien. Aber Deutschland hat demokratischen, finanziellen und technologischen Spielraum für grundlegend bessere Lösungen.

      Am 12. Apr. 2013 schrieben Sie unter
      „ICH HABE DIE SCHNAUZE VOLL VOM EURO“:
      “…Doch dass unter diesen unten verlinkten Umständen die BRD-Sau geschlachtet werden soll, muß spätestens jetzt jedem klar sein. Denn das bedeutet letztlich nichts anderes als dass wir alles was wir an die EU verkaufen in Wahrheit verschenken! Daher ist es die verdammte Pflicht jeder deutschen Regierung, die EU zu verlassen, zum Schutze seiner Bevölkerung vor Raub und Plünderung!…”

      Es wundert mich, wie Sie diese vehemente Unmut abgleichen, mit der Auffassung in Ihrem frühren Kommentar, dass sich “das meiste hier bewährt hat und nur Verbesserungen bedarf”? “Der hat 100 Euro, ich habe nichts, das ist ungerecht” bietet keine Prämissen für gesellschaftliche Strukturen! Begriffe wie “Arbeitsplätze”, “Gleichgewicht”, “soziale Fürsorge”, usw. benötigen moralische und grundrechtliche Prinzipien auf philosophischen Grundsätzen.
      Die sehe ich nicht in der Politik die Sie beschreiben – die sind Sie ihren Lesern noch schuldig.

      [P.S.
      1.) Könnten wir unsere Diskussion bitte jetzt auf diesen Artikel beschränken. Dann sparen wir uns das herumnavigieren, da die Streit-Themen sehr ähnlich sind?
      2.) Habe die ersten 6 Jahre meiner Kindheit in Stuttgart verbracht. Weiss noch von meinem Opa wie “päb” Schwaben “dischbudiere könne” (LOL). Von allen mag ich die Schwaben am meisten!]

  4. So langsam verstehe ich die Schwierigkeiten, denn es ist lediglich die unterschiedliche Interpretation der Texte. Aber das ist ja dann auch kein Problem, aber halt schwer bei Posts zu vermitteln.
    Ich interpretierte in diesem Post den Wunsch nach der Angleichung der Sozialsysteme an das Honkonger Modell. Außerdem gab es ja auch mehrfach Kommentare in der Richtung, dass soziale Komponenten die Wirtschaft nur schwächen, oder nicht? Daher beziehen sich meine Bedenken darauf, dass sie sich lediglich für die Wirtschaft negativ entwickelt haben, aber soziale Komponenten per se nicht schädlich, eher förderlich sind.
    Allein das jetzt auszuführen, würden den Rahmen jetzt sprengen, ich verweise hier nur mal auf die profitorientierte Pharmaindustrie und deren Auswüchse. Insofern akzeptiere ich jede Klarstellung diesbezüglich und versuche natürlich das langsam zu erfassen, bitte jedoch um Nachsicht, wenns nicht immer klappt.
    Zum „das meiste bewährt hat“- das hat es ja auch, das bewiesen die Jahre von 1970 bis knapp 1990 bei stetig sinkender Tendenz.
    Auch in meinem Unmut beschwere ich mich mehr darüber, dass sie bereits schon degeneriert sind, ich würde sie jedoch nicht abschaffen wollen. Daher habe ich ja auch die Ursachen der Entwicklung mehr den immer mehr versagenden Kontrollsystemen (Verbraucherschutz, BAFIN, Kartellamt, Berufungsgerichte, Sozialgerichte) gesehen. Jedoch würde ich die Zielsetzungen dieser Sozialsysteme ändern, wie auch deren Finanzierung. Ich denke auch dass das was ich hier andeutete mehr als nur Verbesserungen sind, das sind echte Reformen.
    Um meine mögliche Politik, die ich sehe zu beschreiben, da brauchst dann schon ein eigenes „Kapitelchen“, denn es ist sehr umfassend und orientiert sich primär an der strukturellen Vermeidung von Besitzakkumulation, gemäß dem Motto zuwenig ist genauso schlecht wie zuviel.
    Zu „das ist ungerecht“, ist es das nicht? Für mich ist es nicht dasselbe ob jemand aus 100 € nicht 110 € oder mehr machen kann, oder ob er sie gar nicht erst hat, weil sie ihm bereits vor seiner Geburt weggenommen worden sind und deshalb ein anderer 200 € oder 2.000.000 € hat.
    Des paebe liegt halt em bluat, ond beima viertele goat’s no besser.
    Zuletzt bitte ich jedoch darum, zumal erst ihre deutsche Version von einem funktionierenden kapitalistischen System mit sozialen Komponenten kennenzulernen, damit ich besser weiß, wo mich da der Schuh drücken würde. Bisher verstand ich es eher so, als ob es die nur auf freiwilliger Basis geben soll, und so etwas halte ich in D für undenkbar. Zumindest nicht so schnell. (Liaber de Maga verrenka, als em Wirt was schenka) Doch den (Ehr-)Geiz wird man nicht nur beim Schwaben finden.

      • O.k. Ich vertraue darauf, dass Sie nicht ernsthaft denken eine 6000 Jahre alte Kultur wird durch eine Seite auf “Planet-Wissen” verstaendlicht.
        1.) “…dass sie sich lediglich für die Wirtschaft negativ entwickelt haben, aber soziale Komponenten per se nicht schädlich, eher förderlich sind…” Bedeutung dieser Aussage?
        Alle “sozialen Massnahmen” muessen bezahlt werden, sind also direkt mit der Wirtschaft verknuepft. In einer KONTROLLIERTEN Wirtschaft KANN es keinen Vorteil ohne einen Nachteil GEBEN und Nutzen des Einen bedeutet IMMER Schaden des Anderen. Mit Verlaub, wenn Sie das erst mal erkannt haben, wird das weitere leichter verstaendlich.
        2.) “… die profitorientierte Pharmaindustrie und deren Auswüchse…”
        Wer ist denn bitte NICHT “profitorientiert”? Profit ist ein legales Resultat legaler Produktivitaet. Wenn Profit anruechig ist, dann sind es logischerweise auch die Projekt, die damit finanziert werden! Sehen Sie das elementare Problem wenn man rein gefuehlsmaessig, ausserhalb von Prinzipien, argumentiert? (Die “Auswuechse” der Pharmaindustrie sind ja nicht durch das kapitalistische Konzept entstanden, im Gegenteil, sondern durch staatliche Auflagen, Kontrollen und unbegrenzte Haftung.)
        3.) “…das meiste bewährt hat”- das hat es ja auch, das bewiesen die Jahre von 1970 bis knapp 1990 bei stetig sinkender Tendenz…”
        WAS im einzelnen HAT sich denn bewaehrt (was man von einer modernen demokratischen Industrienation nicht eh schon erwarten darf)? Die hohe Zeit des Wirtschaftswunders ging bis Ende der 60er. Im Herbst 1966 kam es zur ersten “Haushaltskrise”. Durch den wirtschaftlichen Erfolg erhoehten sich die Forderungen der Alliierten und juedische Lobby fuer Reparationen und Wiedergutmachungen auf 44 Milliarden(!!!) D-Mark. Das war der Anfang vom Ende. Soziale Gesetzgebungen wurden vom Ausland unterstuetzt, um die Gesellschaft zu schwaechen und Abhaengigkeiten zu erhoehen-was ja voll gelungen ist und mir der EU neue Dimensionen erreicht. Das Resultat ist, dass der Deutsche ab sprechfaehigem Alter Forderungen stellt, fuer die er frueher selbst verantwortlich war.
        4.) “…versagenden Kontrollsystemen (Verbraucherschutz, BAFIN, Kartellamt, Berufungsgerichte, Sozialgerichte)…”
        Solange Sie nicht In diesen “Kontrollsystemen” die eigentlichen URSACHE des Uebels erkennen, kommen wir nicht uns entscheident naeher. Da waere ein Vergleich mit dem Ausland (inkl. Hong Kong) eben doch sinnvoll. Denn irrationale, in die Privatsphaere eingreifende Regularien haben ja wohl kaum etwas damit zu tun, ob die anderen mit Staebchern essen oder Konfuzius verehren.
        Also, sollte der Staat dem Buerger wieder mehr Selbstverantwortung zurueckgeben? Sollte er selbst entscheiden, ob er z.B. auf dem Fahrrad eine Helm tragen will, ob er fuer seine Altersvorsorge lieber selbst ueber seine Anlagen entscheidet? Sehr unterschiedliche Dinge – haengen aber alle mit der gesellschaftlichen Gesinnung zusammen.
        5.) “…weil sie ihm bereits vor seiner Geburt weggenommen worden sind und deshalb ein anderer 200 € oder 2.000.000 € hat…”
        Ich bitte Sie! Das sind doch linke Parolen, ohne Hand und Fuss. Wer hat wem was “vor der Geburt weggenommen”? O.k. Greifen wir es auf: Woher kommt “ungerechte Verteilung” ? DAHER, dass Jemand (Staat?) etwas ungerecht verteilt. [A] es ist unmoeglich eine Regierung zu formen, die in einem solchen komplexen System etwas gerecht verteilen KANN, [B] Woher kommt die moralische Anmassung, eine Verteilung von Besitz ueberhaupt zu fordern? Zwangshafte Verteilung von Besitz ist ein contradictio in adiecto und entbehrt ethischer Praemissen (in einer freiheitlich rechtlichen Gesellschaft). [C] Wer soll der “Herr der Werte” sein der Betraege festlegt? Koennen Institutionen “denken” wie Menschen und fuer deren Wohl und Beduerfnisse handeln? Das schaffen z.B. nicht einmal die Gewerkschaften, weil ihnen die moralischen sowie logischen Existensgrundlagen schon lange abhanden kamen.
        6.) “…ihre deutsche Version von einem funktionierenden kapitalistischen System mit sozialen Komponenten kennenzulernen…”
        Ich habe keine! (Habe schon geschrieben, dass das ein populistischer roter Hering der SPD und Linksparteien ist um Stimmen zu fangen). Ein echter Kapitalismus IST “automatisch” “sozial”, weil er “gleichberechtigt” funktioniert. Dazu muss man sich mit der Materie eingehender beschaeftigen.
        7.) “…auf freiwilliger Basis geben soll, und so etwas halte ich in D für undenkbar…”
        Hier sind wieder die Wiedersprueche: Sie stellen sich hinter eine altruistische und “soziale” Gesellschaft, sprechen ihr aber gleichzeitig die Freiwilligkeit ab. Heisst das, der Deutsche ist so gutmenschlich und vermeintlich “moralisch”, dass er sich um alle und jeden kuemmert und dafuer sogar nach staatlicher Gewalt ruft, aber doch die ethischen Ansprueche seines Landes so niedrig einstuft, dass es erst eines Zwanges bedarf!? Das macht fuer mich keinen Sinn und dem Argument fehlt jeglicher Syllogismus.
        DrBruddle, das ist nur ein Blog, kein Sachbuch. Zuerst muessen Sie den Weg zu Ihrer eigenen prinzipiellen Position finden. Bis jetzt haben Sie hauptsaechlich nur Fragen, die sich aus guten, sozialen Gefuehlen ableiten. Die sollten Sie auf Prinzipien stellen welche mit Konsequenz durchargumentierbar sind. In den naechste posts wird einiges noch klarer.
        [Mir ist klar, dass meine Positionen in der Minderheit sind – aber hoffentlich regen sie zu Zweifeln an der altruistischen Deutschen Selbstgerechtigkeit an.]
        Beste Gruesse!

  5. Der Standpunkt ist jetzt so elementar, dass ich die Antwort darauf auf meinem Blog geben werde. Pauschal antworte ich darauf so, dass es ohne steuernde Mechanismen keine funktionierenden kapitalistischen Mechanismen geben wird, weil sie immer auf einen Gewinner hinauslaufen werden, der letztlich alle anderen beherrscht. Beweis ist unsere jahrtausende alte Geschichte. Details werden folgen. Jetzt brauch ich aber noch mehr Zeit.

    • O.K. dem sehe ich mit grossem Interesse entgegen. Ich bin gerne mal wieder auf der Seite des Kommentators. Bitte denken Sie daran, dass ich NICHT gegen JEGLICHE Steuerung (Gesetzesregelungen) bin, soferne sie nicht viel weiter ueber die „10-Gebote“ hinausgehen (LOL). Ernsthaft, Wenn man was aendern will, wie wir es diskutiert haben, muss man natuerlich langsam herunterfahren. Das geht aber nur mit einer breitflaechigen Aenderung der Grundeinstellung zum Sozialen. Dazu muss auch die politische Korrektheit ein Ende nehmen!
      Einen wichtigen Faktor haben wir gar nicht beruehrt: Die Tatsache, dass wir eine sehr heterogene Gesellschaft geworden sind. Durch die erhebliche Zahl von armen Immigranten, egal welchen Status, denen wir aus Politik und Altruismus eine Zuflucht anbieten, erfordert aussergewoehnliche soziale Massnahmen.
      Das Problem ist dann, entweder wir behandeln alle zusammen gleich (Auslaender die hier mit „Null“ ankommen, sowohl als auch weniger betuchte Deutsche), oder wir geben nur diesen Immigranten besondere soziale Leistungen – dann wird allerdings auch das Gleichheitsprinzip verletzt. Durch unsere Politik hat sich Deutschland also freiwillig auf eine fragwuerdige, problemgeladene Bahn gebracht.
      Nette Gruesse.

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