VON KARL MAY BIS NOAM CHOMSKY

Die Wahlkampagne in den USA offenbarte es klarer als je zuvor: Die Deutschen leben in tiefer Unkenntnis über ihren amerikanischen Vormund.
Zuweilen finden sich gelehrtere Abhandlungen über ferne, exotische Kulturen, als über die Nation, die in ihrem Wesen, Werten und Kultur, der Deutschen doch vermeintlich am nächsten steht. Ist der Amerikaner nicht quasi ein halber Deutscher? Und kann man nicht auf bayrisch mit einem aufgelegten amerikanischen Akzent in Manhattan nach dem Weg fragen? “Then you are heavy on the wood-way”.

Es fließt einiges deutsches Blut in amerikanischen Adern, und es floss auch einiges deutsches Blut auf dem Weg zur Unabhängigkeit der ehemals englischen Kolonien. Rund 40.000 Leih-Soldaten – 30 Tsd. Auf britischer Seite und 10 Tsd. auf Seite der Rebellen. Wie aus Chroniken und neueren Studien hervorgeht, hatten die alten „Deutschen“ niemals ein klares Bild der Nation, die es zur Weltmacht schaffte und sich zur Hebamme einer neuen deutschen Gesellschaft entwickelte.

Im vergangenen Jahr besuchten 2.3 Millionen Deutsche die USA, d.h., über die letzten 20 Jahre waren rund die Hälfte der Deutschen wenigstens einmal in Amerika, viele davon mehrmals, oder als Berufspendler. Dieses zugängliche Einwanderungsland müsste doch wie ein offenes Buch zu „lesen“ sein. Aber, vielleicht führte gerade diese leichte Zugänglichkeit zu den größten Missverständnissen: Sie machte aus jedem flüchtigen Besucher, aus jedem Leser eines Stern-Artikels, aus jedem Betrachter einer TV-Reportage einen Experten. Touristen in Hollywood sahen ihre Vorurteile bestätigt, wie auch die Gäste in New York. Die ersten Besucher kehrten zurück als „Old Shatterhand“, später als Mickey Mouse – und heute als progressive Aktivisten. Selbst Korrespondenten mit langjähriger Landeserfahrung, deutsche Betriebsleiter in den US und sholars der US Gesellschaft haben Mühe, klare, realistische und vollständige Bilder der USA zu liefern.

Ein anderer Teil dieses Problems ist, dass die USA der Nachkriegszeit durch eine immer stärkere Machtkonzentration auf der einen Seite, und demographischer Diversifikation auf der anderen, zu einer viel komplexeren Gesellschaft geführt hat. Dass die ursprüngliche vereinfachte Darstellung einer Nation, bestehend aus vielen Völkern, vereint unter einer Flagge und einer constitution nicht mehr so stimmt, ist spätestens nach der letzten Präsidentenwahl Realität geworden. Verwunderlich ist, dass diese Realität selbst die politischen Insider und Eliten an den Schaltern der Macht überrascht hat.

Als die Rebellion in den englischen Kolonien begann, war das Wissen über dieses neue Siedlungsgebiet in deutschen Landen fast nicht-existent. Nur wenige exklusive Drucke, der gebildeten Oberschicht vorbehalten, zirkulierten Berichte aus dritter Hand (mit entsprechender Unschärfe). Diese Essays waren heruntergereichte Auszüge von den nahestehenden Botschaften Englands, Frankreichs und der Niederlande, welche direkte Beziehungen zu Amerika hatten. Dabei sollte noch beachtet werden, dass zu der Zeit des Alten Fritz die deutschen Fürstentümer gerade aus dem Siebenjährigen Krieg kamen und selbst noch weit von einer Einheit entfernt waren. Wie Schiller in seinen „Xenien“ schrieb:

„Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden.
Wo das gelehrte beginnt, hört das politische auf.“ [95.]

Die Söldner des größten Kontingents aus Hessen-Kassel hatten keine Ahnung, weder über die Geographie ihres zukünftigen Schlachtfelds, noch über den Sachverhalt ihres Einsatzes. (Ihre Rekrutierung erfolgte unter mehr als fraglichen Umständen und es gab regelmäßige Fahnenflucht und mindestens eine Meuterei auf einer Truppenfähre auf dem Main bei Ochsenfurt. Der Staatskasse Hessen-Kassels brachte der Menschenhandel über 1 Mill. Thaler, aus dem englischen Hause Georgs III.)
Zu Beginn der Rebellion standen die Deutschen überwiegend auf der Seite der englischen Regierung. Die anfänglichen wirtschaftlichen und politischen Forderungen der Siedler waren den etablierten Bürgern und dem deutschen Absolutismus nicht stichhaltig. Im Zuge der Aufklärung jedoch, und als die Rebellen die „Freiheit“ als Hauptursache ihrer Revolte gegen die englische Kolonialmacht hervorhoben, gewannen die Amerikaner die geistige wie auch militärische Überhand, nicht zuletzt auch durch den französischen Einsatz.

Umfassende, scharfsinnige und tiefgreifende Abhandlung über die amerikanische Gesellschaft wurden von dem französischen Politiker Alexis de Tocqueville verfasst, der auch die englische sowie deutsche Sprache beherrschte und in der Lage war Vergleiche anzustellen (siehe Buchempfehlungen unten). Seine Analysen über Umstände und Wurzeln des amerikanischen Charakters gelten noch heute.

Wichtig zu wissen ist, dass die US-Verfassung und das Symbol des „stars-spangled banners“ eine (immer noch) beinahe magische Bindung ihrer Bürger bewirkt, während das GG und die deutsche Flagge die Gesellschaft eher entzweit. Dies ist das kräftigste Kompliment, das man einer Verfassung machen kann. Dies ist auch der Grund, aus dem die Unsichtbaren und „Globalisten“ dieses Dokument angreifen oder gar zerstören wollen. So auch der Anarchist Noam Chomsky, hervorragender Sprachwissenschaftler, aber pathologischer politischer Taschenspieler.

Bei dem bei uns vielgeschmähten und belächelnden 2nd Amendment, handelt es sich um viel mehr, als nur um das Recht eine Schusswaffe zu besitzen. Dieser Verfassungszusatz vermittelt dem Bürger, dass nur er selbst für seinen eigenen Schutz verantwortlich sein kann, und stellt wichtige Rechte des Einzelnen auf gleiche Ebene, mit denen einer von der Regierung bewaffneten Ordnungsmacht. Die rechtliche Entwaffnung der Deutschen ist ja keine Folge eines ursprünglich allgemeinen Willens, sondern resultierte aus den Bedingungen der Siegermächte.

Für die deutsche Masse sind die USA geteilt in böse Republikaner, also homophobe, grapschende, waffentragende, bigotte, grunzende KKK-Anhänger auf der einen Seite, und reine, humanistische, tolerante, bunte, umverteilende, soziale Demokraten auf der anderen. Obama hat es geschafft (was Bill Clinton noch nicht gelang), mit seiner Kriegspolitik dieses simple Bild zu stören. Dass die demokratische Demagogin Hillary maßgebend hinter dieser Außenpolitik stand, scheint den meisten zu entgehen.
Seit der Amtszeit ihres Mannes und über die zurückliegenden 15 Jahre als Secretary of State und Senatorin, verursachten die Clintons eine Affäre nach der anderen (Bills sexuelle Übergriffe auf seine Praktikantin und andere weibliche Opfer im Weißen Haus ausgelassen): Der Whitewater-Skandal, das Benghasi-Desaster, die Machenschaften ihrer Clinton Stiftung, der Skandal um Abedin und Wiener, bis zu dem e-mail Chaos, um nur die größten zu nennen, hätten jeden hartgesottenen Diktator zum Abdanken veranlasst.

Aber, das muss man eben gegen den „rassistischen Rechtspopulisten und Hassprediger“ relativieren und abwägen, nicht wahr? Niemand kennt Trump, wie er wirklich ist und vor allem, wie er als Präsident handeln wird. Wenn Trump in einer Wahl siegte, in der mit allen zur Verfügung stehenden – im besten Falle legalen – Mitteln, inklusive dem gesamten Regierungsapparats und dem Prestige des amtierenden Obama gegen ihn gekämpft wurde, dann repräsentiert er Amerika wie kaum ein anderer Vorgänger! Es geziemt einer ausländischen Nation- besonders einem nicht-souveränen Vasallen – nicht, die Amerikaner für eine Wahl zu verurteilen, die sie nicht fähig sind zu begreifen – und vor allem, nicht selbst zu verwirklichen. Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die politische Vernunft die politische Korrektheit ersetzt und als „neue“ Kraft aus dem Vormunds -land zum Mündel dringt. Zur Beruhigung: Trump sprach nur von seinen eigenen Landesgrenzen, den Deutschen ist noch weiterhin die Möglichkeit gegeben ihre Gesellschaft zu zerstören.

Quellen:

1.) Alexis de Tocqueville „Democracy in Amerika“ und „On Democracy, Revolution and
Society“
2.) Horst Dippel „Germany and the American Revolution 1770-1800, Franz Steiner Verlag
3.) Noam Chomsky „Hegemony or Survival“, Metropolitan Books, 2003

5 Gedanken zu „VON KARL MAY BIS NOAM CHOMSKY

  1. Deutsche sind eben die wahren Australier: hängen mit dem Füßen auf der Unterseite der Erscheibe am Boden und mit dem Kopf nach unten, sehen meist alles umgekehrt.
    Der KKK ist ein schönes Beispiel, während linke Deutsche denken, das sind die geistigen Brüder der Republikaner, wurden sie doch von Demokraten gegründet.
    Die Nebeninformation gelangte wegen deutschem Unverständnis sogar mal in den einen oder anderen Artikel in der Qualitätspresse: Hillary hatte mal politisch was mit dem KKK-Führer. Aber Trump spaltet natürlich Amerika.

    Der Artikel hat mich auf ein Mißverständnis gebracht, dem ich aufgesessen bin. Als Nachkriegskind habe ich in meiner erst nach 2000 begonnenen Grundgesetzkunst die „Dienstvorschrift für Deutsche“ mit dem Sternenbanner verwechselt. Das ist wohl der Grund, weshalb die bisherigen deutschen Politiker mich und meine Werke überhaupt nicht verstehen, oder das Gegenteil hineininterpretieren.
    Mein Fehler, ich bin im falschen Land geboren.

    • Starker Kommentar. Außer dem KKK gibt es viele ähnlicher Beispiele. Auch wird vergessen, dass die USA keine Demokratie ist, sondern eine konstitutionelle Republik. Egal, die Demokratische Republik Nord Korea ist ja auch eine Demokratie! LOL

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