DER „DOMINANZ-EFFEKT“

PIC D. E.

„Das Subjektive Mittelmaß der Sinne“

Was ist die Mitte zwischen Leben und Tod? Zwischen Recht und Unrecht? Wahrheit und Lüge?

Bei dem Versuch “statistische (oder mathematische) Mitten“ sozialer, gesellschaftlicher oder rechtlicher Entitäten zu „berechnen“, stößt man auf natürliche Probleme. Z.B.: in einer Gruppe von 3 Personen haben 2 Personen je einen Euro, einer besitzt 1 Million. Handelt es sich dabei eine “reiche” Gemeinschaft? Welchen „geschlechtlichen Nenner“ besitzt eine Gruppe aus 7 Frauen und 3 Männer? Es ist dabei ähnlich wie bei schlechten Kompromissen – ein fiktives Beispiel aus der Justiz: Ein Angeklagter, der bezichtigt wird ein Auto gestohlen zu haben, erklärt sich für unschuldig. Da die Sachlage nicht ganz geklärt werden kann, einigen sich die Parteien auf 6 Monate Gefängnis, die Hälfte für einen bewiesenen Tatbestand – ein irrationaler Konsensus. Was ist nun die „Mitte“ zwischen Leben und Tod? Zwischen Recht und Unrecht? Wahrheit und Lüge?

Sicher haben Sie schon einmal in einer gesellschaftlichen Situation, im privaten Kreis, bei einer Party oder Veranstaltung, oder auch bei der Arbeit erlebt, wie eine einzelne Person das gesamte Treffen stört oder für alle Anwesenden vermasselt. Ob Kino, Gaststätte, Festival, Swimmingpool, U-Bahn, Zeltplatz, Hausgemeinschaft Flugzeug, oder Bundeswehreinheit, keine Einrichtung ist sicher vor einem einzelnen Störer oder Zerstörer.

Stellen Sie ein großes Trinkglas, gefüllt mit klarem Wasser auf den Tisch. Geben Sie nun einen Tropfen schwarzer Tinte in das Glas. Beobachten Sie, wie sich der gesamte Inhalt rapide grau färbt. Zwar weniger sichtbar, aber ebenso effektiv macht eine winzige Menge von Keimen oder Giftstoffe eine Regentonne voller Trinkwasser ungenießbar. Das Erstaunliche ist, dass eine unscheinbar geringe Menge eines Farbzusatzes oder einer Verunreinigung die Eigenschaften der gesamten Wassermenge sofort und entscheidend verändert. Die originale und viel größere klare Wassermenge ist nicht im Stande erst einmal die Hälfte einer Fremdsubstanz zu absorbieren, bevor der Gesamtzustand umschlägt. Nicht einmal das Zufüllen einer weiteren, mehrfachen Menge reinen Wassers lässt das grau verschwinden, oder würde das vergiftete Wasser genießbar machen. Dagegen führen kleinere Extra-Mengen von Tinte oder Keimen zu schwersten Verunreinigungen. Dieses Phänomen nenne ich den „Dominanz-Effekt“, oder D/E. Würde ein Neuzugang von 20 netten Gästen in einem Restaurant mit einem betrunkenen Randalierer die Atmosphäre verbessern?

Der D/E ist also nicht nur ein chemisch-physikalisches Prinzip, sondern auch ein gesellschaftliches. Ich möchte hier Anregungen geben, wie man in alltäglichen Vorgängen wichtige Zusammenhänge erkennt, wie man sie bewertet und dann folgerichtig zur Beurteilung gesellschaftlicher und politischer Ereignisse einsetzt.
Interessanterweise, ändert der gesellschaftliche D/E seine Eigenschaften mit den äußeren Umständen. In Zeiten friedlicher, passiver Allgemeinzustände, reagiert der D/E wie in unserem Experiment mit dem Wasserglas. Während eines Ausnahmezustandes, Krieges oder Kampfhandlungen, ändert sich der Charakter des D/E. In diesem Falle, könnten nämlich beispielsweise 100 feindliche Aggressoren mit ebenfalls 100 (oder sogar weniger, von der Strategie abhängend) Verteidigern neutralisiert werden. Wir sehen jetzt, dass während das Glas H2O und Tinte Experiment den physikalischen Naturgesetzen unterliegt, hängt eine menschliche Gemeinschaft weitgehend von ihrem Zustand ab – von den uns auferlegten und akzeptierten Gesetzen und Verordnungen. Wir entscheiden also, wie viele schlechte Elemente wir in unserer Gesellschaft zulassen können / sollen, die durch den D/E unsere gemeinschaftliche Lebensqualität soweit verschlechtern können / dürfen, bis wir uns wehren müssen / sollten.

Wie viele randalierende Jugendliche tolerieren Sie in Ihrem Wohnbezirk, bevor Sie sich bei der Polizei beschweren? Wie viele gewalttätige Drogensüchtige, Diebe, Einbrecher und Kinderschänder könnten in einem Viertel ihr Unwesen treiben, bevor die Immobilienmakler wegen verminderter Lebensqualität offiziell ihre Preise für dieses Gebiet senken? Permanente Schutzmaßnahmen richten sich nach statistischen Ergebnissen, nicht nach individuellen Beschwerden oder Hilfegesuchen. Nehmen wir an, Sie wohnen in einem, statistisch gesehen, sicheren Teil ihrer Stadt, mit „nur“ 3 Straftaten pro 100 Einwohner in einem Jahr (der Bundes-Durchschnitt für 2011 lag bei 7.3 Straftaten). Nehmen wir weiter an, eine Straftat davon wäre ein schwerer Einbruch gewesen – und Sie waren das Opfer. Demolierte Wohnung, bedrohte Familienmitglieder und gestohlene Wertgegenstände. Gäbe Ihnen die Statistik dann noch ein sicheres Gefühl? Wohl kaum. Statistiken beschreiben die Personen en bloc. Es gibt keine Einzelschicksale. Jeder von uns gehört nur zu einem „bestimmten Prozentsatz.“ Genau so, wie man in unserem Experiment mit dem Wasser keine einzelnen Wassermoleküle unterscheidet, sondern nur ein Glas mit dunklem Wasser wahrnimmt.

Allerdings, begegnet man dem D/E in verschiedenen Nationen in unterschiedlicher Weise. In Deutschland und anderen sozialen europäischen Ländern, sind die Gesellschaften am passivsten. Die Bösewichter können sich hier fühlen, wie eine Gruppe „Hells Angels“ in einem Nonnenkloster. In den meisten asiatischen Ländern jedoch, geht der Staat viel aggressiver gegen Straftäter vor. Bei Bedrohungen gegen die Gesellschaft hält man sich weniger zurück und auch hat der Einzelne mehr Rechte sich zu wehren oder selbst zu verteidigen. Potentielle Straftäter haben es schwerer, beispielsweise in Thailand oder China. Die wichtige Erkenntnis, die wir durch den Dominanz-Effekt gewinnen ist, dass grau nicht lange grau bleibt, sondern in einem Statismus immer nur die Vorstufe zu schwarz ist!

6 Gedanken zu „DER „DOMINANZ-EFFEKT“

  1. Der D/E erinnert mich an die Dotierung bei Halbleitern: sobald das reine Halbleiter-Material etwas verschmutzt (dotiert) wird, wird es leitfähig. Es kommt darauf an, womit man es dotiert. So lassen sich etwa auch Politiker dotieren oder „anfüttern“ bis das ganze leitfähig geworden ist…

  2. …ein irrationaler Konsensus. Was ist nun die „Mitte“ zwischen Leben und Tod? Zwischen Recht und Unrecht? Wahrheit und Lüge?

    Die Zeit… !
    nach der Gefängnisstrafe – Gäbe Ihnen die Statistik dann noch ein sicheres Gefühl? Wohl kaum. Statistiken beschreiben… dann macht die wieder erhaltene Freiheit erst glücklich! Das respektlose einfordern von persönlichen Freiheiten beschreibt nicht nur die gute Führung. Daran sollte man denken. Gruss Nikklaus

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