DER SYMPATHISCHE MR. OBAMA

[Re-posted vom Nov. 2012]

Die Deutschen hegen blinde Liebe für gutaussehende demokratische US Präsidenten, unabhängig ihrer realen Leistungen. Das begann mit Kennedy,  setzte sich fort mit Clinton und nun Barack Obama. Das scheint kein pressendes Thema. Die euphorische Reaktion der Deutschen auf Obamas Wahlsieg beinhaltet jedoch viele der Elemente in unseren akuten gesellschaftlichen Problemen. Abgesehen von der uninformierten Naivität, mit der man Sympathie mit Fähigkeit gleichsetzt, haben die meisten Deutschen keine Ahnung oder wirkliches Wissen über die US  Gesellschaft. Sie lassen nur ihre anekdotenhaften Vorstellungen gelten und teilen die Amerikaner ein:  Auf der einen Seite moderne, aufgeklärte und sozial gerechte Demokraten; auf der anderen religiöse, rassistische, bewaffnete, kapitalistische Idioten – die Republikaner. Man sollte aber nicht vergessen, dass eben noch ca. die Hälfte der US Bevölkerung (160 Mill.) aus diesen „rechten Spinnern“ besteht.

Dabei kommen die meisten Stimmen der Demokraten aus den Reihen der Schwarzen, Hispanics und einer Sammlung von gesellschaftlichen Randgruppen und sozialen Minderheiten. Viele sind neue Einwanderer und wählten Obama, weil sie von ihm eine Erleichterung ihres Status erwarten. Kann man sich darüber streiten, ob das Oberhaupt einer Demokratie die Mehrheit der Gesellschaft repräsentieren sollte? Man neigt heute eher zu der Ansicht, dass gerade die Wahl eines Vertreters einer Minderheit wahrhafte Demokratie bezeugt. Eine sophistische und unsinnige „Logik“.

Es ist noch nicht bewiesen, dass gewisse soziale Maβnahmen auch gut für eine gesamte Nation sind. Aber Hauptsache, Obama ist ehrlich und nett! Wie ehrlich (und kompetent) Obama wirklich ist, weiβ immer noch keiner – dass er nett ist wissen aber alle. Würde den Deutschen ein „netter“ Kanzler genügen? Heutzutage vielleicht, wenn er nur das Beste für alle am Herzen hätte. Leider haben die Republikaner kein Monopol auf Heuchlerei, Egoismus und Missgunst.

Der hier hoch-verehrte Demokrat Kennedy bat gleich nach seinem Amtsantritt 1961 den deutschen Auβenminister Brentano ins Weiβe Haus: Wir seien schon kurz nach dem Kriege wieder zu erfolgreich und könnten es uns leisten (neben den vertraglichen Reparationen) einen Teil der amerikanischen Entwicklungshilfe zu übernehmen (30-40 jährige Kredite von zunächst 1.6 Milliarden DM. „Die Welt“, Hamburg, 20.4.1961). Natürlich ohne Gegenleistung der Empfängernationen. Die Auβenhandelsvorteile verblieben selbstverständlich auch bei den USA.  Im Gegenzug wurde Kennedy dann 1963 groβzügig zum „Berliner“ bei seiner berühmten Rede an der Mauer. Davon abgesehen, hätte der sympathische Herr beinahe den 3. Weltkrieg verursacht!

Ebenfalls wird vergessen (wie so vieles aus der Geschichte, das momentan unangenehm ist), dass es mit Abraham Lincoln ein republikanischer Präsident war, der gegen die Sklaverei kämpfte (weil sie gegen die demokratischen Prinzipien in der Verfassung verstoβen hat!!!). Dagegen standen die „demokratischen“ US Präsidenten des 1. und 2. Weltkriegs, Woodrow Wilson und Franklin Roosevelt, für eine miserable und ausgesprochen rassistische Politik der sozialen Diskriminierung. Beispiele sind die NRA (National Recovery Administration, spöttisch der „Negro Removal Act“ genannt) und Organisationen wie die faschistische American Protective League – alles unter dem „New Deal“ der Regierung.

Der Vergleich einer ehrlichen Liste von Errungenschaften (und Katastrophen) der US Präsidenten ab Woodrow Wilson, aufgeteilt in Demokraten und Republikaner, ergibt dann auch keinen klaren Vorsprung der als fortschrittlich beurteilten Demokraten. Obwohl das konservative amerikanische Wertesystem seit Jimmy Carter durch eine gewisse Sozialisierung und das Eindringen von politischer Korrektheit in die Gesellschaft erheblich verwässert wurde, ist auch der amerikanische „Demokrat“ generell immer noch davon übereugt, dass das Individuum einen höheren Stellenwert besitzt als der des Staates.

Das aktuelle Zitat:
„Man druckt viele neue Bücher, man würde gut tun, wenn man einige alte Bücher von neuem druckte“
(Hippolyte Taine, französischer Historiker, 1828-18930)

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